Nachhaltig
Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt, in der nur der Dom und einige Kirchen traurig aus dem Einerlei von Scheibenhäusern aufragen? Die Rückbesinnung auf Telemann ist allerdings kein Produkt der Nachwendezeit.
Schon 1962 veranstaltete Magdeburg erstmals die Festtage, die seither alle zwei Jahre stattfinden und nachhaltig das vom 19. Jahrhundert überlieferte Telemann-Klischee einer bloß Massenware produzierenden barocken Tonmaschine relativiert haben.
Regelmäßig werden während der Festtage Opern aufgeführt, von denen Telemann rund 50 geschrieben haben soll (bei Weitem nicht alle sind erhalten). Die manchmal prekäre Quellenlage verdeutlicht ein Werk wie «Germanicus». Der Musikwissenschaftler Michael Maul hat es aus rund 40 in der Frankfurter Universitätsbibliothek anonym überlieferten Arien rekonstruiert. Die Rezitative sind verloren, in der konzertanten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Au diable! Hoffmanns Verwünschung am Schluss hätte sich sehr wohl auch auf die neue Produktion seiner Opéra fantastique am Opernhaus Zürich beziehen können. Denn auch die Berufung auf die von Michael Kaye und Christophe Keck erstellte Fassung aus dem Jahr 2005 bewahrte sie nicht vor der zweimaligen Intervention des Teufels. Der ließ zunächst einen Tag vor...
Es ist ganz normal, dass ein Werk mit sakralem Inhalt in einem sakralen Raum uraufgeführt wird. Dennoch haftete der Premiere von Wilfried Hillers «Der Sohn des Zimmermanns» etwas Besonderes an: Das Auftragswerk der Abbé-Vogler-Musikstiftung wirkte im Kiliansdom auch deshalb ergreifend, weil es punktgenau überging in das um 21.20 Uhr anhebende Glockengeläute zum 65....
Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and...
