Verloren im Puppenwald
Es gehört Mut dazu, eine Opernproduktion schon nach der ersten Bühnenprobe abzublasen, weil sich abzeichnet, dass das Konzept nicht trägt und überladen ist. So geschehen im letzten Herbst in Duisburg. Intendant Christoph Meyer hatte einen Stopp verordnet, weil David Hermanns Arbeit an Verdis «Rigoletto» zu viele offene Baustellen enthielt. Zu einer solchen Absage gehört auch Weitsicht und Vertrauen ins Regieteam. Erleichternd wirkte sich gewiss der Umstand aus, dass man über zwei Häuser verfügt und ohnehin zwei Premierentermine ausrufen kann.
Daher wurde «Rigoletto» im Duisburger Haus 2009 konzertant gespielt, bevor man ihn in der Düsseldorfer Filiale zum Frühjahr 2010 szenisch nachreichte.
Der Erfolg des Ganzen? Mittelprächtig. David Hermann gelingt es, im ersten Teil einige bezwingende Ideen umzusetzen. Da ist ein Gewächshaus, in dem Rigoletto vor Hohn und Spott Zuflucht zu suchen scheint; sobald sich die Perspektive für den Zuschauer ändert, wird darunter ein Keller sichtbar, der – wer denkt hier nicht an Amstetten – als Gefängnis für Tochter Gilda dient. Auch die Eingangsszene mit einem Chor, der vor dem zynischen Herzog im wahrsten Sinne buckelt, ist beredt, zumal Rigoletto, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Au diable! Hoffmanns Verwünschung am Schluss hätte sich sehr wohl auch auf die neue Produktion seiner Opéra fantastique am Opernhaus Zürich beziehen können. Denn auch die Berufung auf die von Michael Kaye und Christophe Keck erstellte Fassung aus dem Jahr 2005 bewahrte sie nicht vor der zweimaligen Intervention des Teufels. Der ließ zunächst einen Tag vor...
Herr Güra, Sie sind in Sachen Musik genetisch vorbelastet. Ihr Vater war Tubist an der Bayerischen Staatsoper. Welche Musik hat Sie als Kind am meisten geprägt?
Wagner. Das war dem einfachen Umstand geschuldet, dass mein Vater wegen seines
Instruments nur Karten ab Wagner aufwärts bekommen hat. So habe ich diese Musik als Erstes kennengelernt, und deswegen waren...
Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin. Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige...
