Spurensucher
Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and anon». Die Autorenzeile signalisiert, dass der Prozess der Neuzuschreibung noch längst nicht abgeschlossen ist.
Tatsächlich könnte die Produktion der ersten kommerziellen Opern durchaus so funktioniert haben wie die großen Malerwerkstätten des 17. Jahrhunderts: als Gemeinschaftsarbeit einer Gruppe von Spezialisten, bei der der Chef lediglich koordiniert, einzelne Beiträge leistet und das Ergebnis am Ende mit seinem Namen absegnet. Immer mehr spricht dafür, dass die «Poppea» so entstanden ist – dass beispielsweise der größte Hit des Stücks, das Schlussduett «Pur ti miro» von Ferrari stammt, dürfte mittlerweile zweifelsfrei erwiesen sein. Jede Bearbeitung der Musik oder gar eine Vermischung der beiden erhaltenen unterschiedlichen «Poppea»-Fassungen sei prekär, weil sie diese unterschiedlichen Handschriften verwischen würde, ...
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Das Positive vorab: Mit der Uraufführung von «Luther», der so bezeichneten «neoromantischen Oper» von Roland Baumgartner und Rolf Rettberg, hat das Theater Hof seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Über zwanzig Solisten, dazu Chor, Extrachor, Kinderchor, Ballett und Statisterie summieren sich – die Bühnenmusik und die agilen Hofer Symphoniker unter Musikdirektor Arn...
Das ging den New Yorker Verlegern und Broadway-Produzenten dann doch etwas zu weit: Ein Neger will eine Oper schreiben! Sicher, 1911 war Scott Joplin ein national bekannter Pianist, der «King of Ragtime», der mit «The Entertainer» oder dem «Maple Leaf Rag» echte Hits gelandet hatte – doch für den Vorstoß eines Farbigen ins seriöse Musiktheater-Genre war die Zeit...
Riccardo Muti, Herzog & Meuron, Prada... – was den Snob-Appeal betrifft, dürfte das für die Met-Erstaufführung von Verdis «Attila» zusammengekaufte Aufgebot schwerlich zu übertreffen sein. Die Befürchtung, die kapitale Promi-Riege habe sich an einem musikalischen Objekt abgearbeitet, das nicht weiter der Rede wert ist, löste sich jedoch schon während der ersten...
