Regisseurin des Jahres 2024
Von der franko-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois stammt der wunderschöne und richtige Satz, die Kunst habe stets mit dem Leben zu tun und sei eben nicht nur gleichsam narzisstisch-ästhetischer Selbstzweck. Herausragende Regisseurinnen und Regisseure haben auch im Musiktheater diese im Grunde unumstößliche «Wahrheit» immer wieder mit ihren zum Teil staunenswerten Arbeiten beglaubigt und sind dabei häufig auch ins Innere des Werks vorgestoßen, ohne dabei die autarke Schöpfung selbst zu dekonstruieren. Eine von ihnen ist Lydia Steier, eine Fast-Landsfrau von Bourgeois.
2002 kam sie, ausgestattet mit einem Fulbright-Stipendium und zwei USA-Diplomen (Gesang, Regie) in der Tasche, nach Deutschland, wild entschlossen und im starken Glauben, hier ihre szenischen Utopien umsetzen zu können – und vor allem: umsetzen zu dürfen. Steiers Lesarten, so kühn und abseitig sie zuweilen anmuten, zeichnen sich stets durch zweierlei aus: einmal durch einen scharfen Blick, der die Widersprüche des jeweiligen Werks aufzeigt, vor allem dessen politische Implikationen, und ebenso durch eine besondere Form des humorvollen Sarkasmus, der aber nie ins Kitschige abrutscht – selbst dort nicht, wo es ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Regisseurin des Jahres, Seite 28
von
Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem...
Die Musik Frankreichs hat es in Deutschland seit jeher schwer. Das Barock mit Meistern wie Couperin, Lully, Marais und Rameau führt hierzulande noch immer ein Schattendasein. Aber auch die Wertschätzung der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschränkt sich jenseits der Namen von Berlioz, Debussy und Ravel auf die Kenner und Liebhaber dieser einzigartigen...
Nicht jedes zeitgenössische Musiktheater ist zwingend auch ein Musiktheater für Zeitgenossen und -genossinnen. Manche Stücke erliegen zu sehr der Ambition, als rein ästhetische Schöpfungen wahrgenommen werden zu wollen; ihnen fehlt der nötige gesellschaftliche Bezug, sie sind, und das nicht unbedingt im besten Sinne des Wortes, L’art pour l’art. Blättert man in...
