Regisseure des Jahres
Die Kür ist für sie nicht neu. Für keinen von beiden. Sowohl Hans Neuenfels als auch Christof Loy waren bereits «Regisseur des Jahres». Letztgenannter, ein im Vergleich zum ewigen Metaphernzauberer Neuenfels mehr als zwanzig Jahre jüngerer Asket reinsten Wassers, sogar schon zweimal. Auch in der vergangenen Spielzeit sorgten beide wieder mit extrem verschiedenen Mitteln für reichlich Diskurs- und Reibungsmaterial. Energetisch, intelligent wie intelligibel fokussieren ihre Inszenierungen auf den Menschen samt seiner Abgründe, samt seiner gesellschaftlichen Verstrickungen.
Mögen auch die Verfahren, die Neuenfels und Loy anwenden, um zum (dramaturgisch genau durchdachten) bühnenwirksamen Ergebnis zu gelangen, gegensätzlicher kaum denkbar sein – eines eint ihre Künstlernaturen: Es ist der präzise, nachgerade röntgenologische Blick auf das, was – musikalisch wie szenisch – wesentlich ist für das jeweilige Stück. Während Neuenfels diesen Blick mit (häufig ironischen) Bildern zu schärfen versucht, geht Loy von der Gestalt im kahlen Raum aus, von der nackten Spannung, die zwischen den Figuren entsteht. Aufladung und Entladung hier (Neuenfels), innere Elektrizität dort (Loy). Spannend, im ...
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Vermutlich nie zuvor gab es ein Bühnenbild, das von so vielen Menschen gesehen wurde. Bei der Fußball-EM im vergangenen Juni nutzte das ZDF die Bregenzer Seebühnenoptik mit dem magischen blauen Riesenauge vor der dunklen Wand als Kulisse für die kommentierende Präsentation jenes Sportevents. Bereits in der Vorjahressaison hatten rund hunderttausend Besucher der...
Aufeinander hören
Henja Semmler (Violine)
Ich war schon sehr früh im Gustav-Mahler-Jugendorchester und bin in die Gründergeneration des Gustav-Mahler-Chamber-Orchestra reingerutscht, obwohl ich damals eigentlich zu jung war. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir auf professioneller Ebene und ohne Altersbeschränkung miteinander Musik machen konnten. Wir sind eher...
«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte. Heines wahrlich witziges Paradoxon...
