Realgroteske
Als Violetta sich am Ende ihrer Vergangenheit erinnert, zieht im hörbaren Hintergrund ein Karnevalszug vorbei: «Addio del passato». Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von «La traviata» unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt – als entfesselt agierendes Kollektiv weiß gepuderter, clownesk grell geschminkter, bitterböser Witzfiguren. Die Kostümbildnerin hat sie librettokonform in Roben des 19.
Jahrhunderts gesteckt, der Spiel- wie Entstehungszeit des Stücks: In einem Pariser Privatpuff wird in perfektem Einvernehmen mit Verdis aggressiv akzentuierten Sechzehntel-Ketten kopuliert. Dazu hat die Hauptattraktion des Themenbordells bereits während des Vorspiels ihre Kundschaft animiert, vernehmlich aus der Dusche im Off stöhnend. Jetzt geht’s im großen Stil zur Sache. «Adesso siamo riscaldati», heißt es auf der Party, will sagen: Nun sind wir alle auf Betriebstemperatur.
Doch Violetta Valéry will ausbrechen aus der Prostitution, sucht ein bisschen richtiges Leben im falschen, trifft den Romantiker Alfredo, mit dem sie statt der «pompose feste» in ihrem Palais ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Das O am Namensende ist kein Schreibfehler. «Antigono» – so heißt ein Libretto von Pietro Metastasio, das erstmals 1743 von Johann Adolph Hasse vertont wurde und eine beachtliche Karriere hinlegte: Wohl mehr als 50 Komponisten brachten ihre eigene Version heraus, darunter Christoph Willibald Gluck. Sein 1756 in Rom uraufgeführter «Antigono» stand im Mittelpunkt...
Als Teenager wollte sie Harfenistin werden. Die Farbenvielfalt der französischen sinfonischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte es Sandrine Piau angetan – und sie träumte davon, als Instrumentalistin Teil dieses Klangrausches zu sein. Dann aber entschied sie sich doch für ein Gesangsstudium, wurde als Barock-Interpretin bekannt. Nun aber kommt...
Seine berühmte Abhandlung «Jenseits des Lustprinzips», in der erstmals der Begriff des Todestriebs entwickelt wird, veröffentlichte Sigmund Freud 1920. Im gleichen Jahr kam das heute wieder oft gespielte Werk eines anderen Wieners auf die Welt: Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt». Eine frappierende Parallele. Die erfolgreichste Oper des frühreifen Komponisten...
