Raffiniert wie der Roman
Was hätte ein Komponist Umberto Eco unternommen, wenn er sein Opus «Der Name der Rose» nicht in den 1980er-Jahren als Roman, sondern heute als Musiktheater geschrieben hätte? Mit dieser Frage im Kopf begann der Komponist Francesco Filidei seine Arbeit an der Opernversion eines der größten internationalen Bucherfolge des ausgehenden 20. Jahrhunderts – übersetzt in mehr als 40 Sprachen, rund 50 Millionen Mal verkauft, spektakulär verfilmt 1986 unter der Regie von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery in der Hauptrolle.
Filidei übernimmt vom Originalroman die raffinierte, rosengleiche symmetrische Struktur: zwei Akte mit jeweils zwölf Szenen, aufgebaut auf einer fächerförmigen Intervallstruktur. Ein Prolog leitet den ersten Akt ein, der letzte endet mit dem «Ultimo folio», dem «letzten Blatt», das die formale Symmetrie des Werks vollendet. Diese Konzeption ist besonders für Musikwissenschaftler ein Genuss, doch das Publikum verlangt nach mehr als nur Struktur. Filidei entscheidet sich für eine fesselnde Musiksprache: klanglich komplex, orchestral fein gearbeitet, reich an Anspielungen – mal offensichtlich, mal verborgen – auf Komponisten wie Wagner, Verdi, Mahler, Puccini. Manche ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Stefano Nardelli
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der...
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz...
Wie Leoncavallo, Delibes oder Ponchielli ist auch Bizet der Komponist einer einzigen Oper. Wer kennt im Ernst mehr als seine «Carmen»? Gewiss, auch «Les Pêcheurs de perles» werden gelegentlich aufgeführt. Doch vor allem, weil es sich um eine One-Hit-Oper handelt. Im Fokus steht das Duett von Tenor und Bariton, die zu Flötentönen die verführerische Schönheit einer...
