«Durchwegs wundervolle Musik»
Wie Leoncavallo, Delibes oder Ponchielli ist auch Bizet der Komponist einer einzigen Oper. Wer kennt im Ernst mehr als seine «Carmen»? Gewiss, auch «Les Pêcheurs de perles» werden gelegentlich aufgeführt. Doch vor allem, weil es sich um eine One-Hit-Oper handelt. Im Fokus steht das Duett von Tenor und Bariton, die zu Flötentönen die verführerische Schönheit einer Tempelpriesterin in Sri Lanka besingen.
Die anderen Opern? «Djamileh»? «Ivan IV»? Die zahlreichen Kompositionen, die nicht für die Bühne bestimmt sind? Da bietet ein Gedenkjubiläum – am 3.
Juni jährt sich zum 150. Mal Bizets früher Tod – willkommene Gelegenheiten, auch weniger Bekanntes ans Licht zu holen. Das haben drei CD-Labels getan, auf sehr unterschiedliche Weise. Die Warner Music Group vermarktet unter der Marke «Erato» eine Box mit 16 CDs, ausnahmslos Neupressungen von Aufnahmen aus den Jahren 1903 bis 2012 – wenn man dem Werbetext glaubt, «sorgfältig kuratiert». Da stellt sich die bange Frage, wie erst eine ohne Sorgfalt «kuratierte» Edition aussehen würde. Die Box bietet ein Sammelsurium von Aufnahmen, die vermutlich ohne neue Kosten zur Verfügung standen. Im Booklet findet sich nichts außer einem biographischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Essay, Seite 50
von Anselm Gerhard
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem...
Die Komponistin», so Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich allein», «steht heute noch da, wo zu Shakespeares Zeiten die Schauspielerin stand» – im Abseits. Und sie zitiert das Verdikt eines Kritikers: «Das Komponieren einer Frau ist wie das Laufen eines Hundes auf den Hinterbeinen. Es geht nicht besonders, doch man ist überrascht, dass es...
Mit 2700 Sitzen und einer 20 Meter hohen Decke wirkt der Saal der Opéra Bastille eher einschüchternd als einladend. Ein großer Raum für große Gesten. Wie stark muss die Versuchung sein, ihn mit allem zu füllen, was Stimme und Körper zu bieten haben. Asmik Grigorian aber steht einfach nur da und singt – die Hände locker ineinander gelegt. Ihr braunes Haar umspielt...
