Radikal rustikal

Das Staatliche Opern- und Ballett-Theater Perm beschreitet neue Wege – mit Mozarts «Don Giovanni», Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» und Bizets «Carmen»

Der Abschied war schmerzensreich. Und er hinterließ zunächst eine große Lücke: Nachdem Teodor Currentzis mit seinem Chor und Orchester MusicAeterna nach Sankt Petersburg weitergezogen war, musste das Staatliche Opern- und Ballett-Theater Perm von Grund auf reorganisiert werden. Das aber hielt das neue, aus dem Regisseur Marat Gazalov und dem Dirigenten Artjom Abaschew bestehende Leitungsteam nicht davon ab, gleich zu Beginn die Messlatte ziemlich hoch zu legen: Vier Opernpremieren pro Saison wurden programmiert, was nach russischem Maßstab die Norm bei weitem überschreitet.

Den Auftakt bildete Mozarts «Don Giovanni». Gazalov führte Regie, Abaschew stand am Pult des hauseigenen Orchesters. Das Besondere an dieser ersten Neuproduktion war, dass alle Sänger im Orchestergraben saßen, während auf der Bühne eine Art Installation zum Thema «Wie schafft man Modern Art?» zu sehen war. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen», die zweite Premiere der Spielzeit, verantworteten Philipp Grigorjan (Regie) und die Choreografin Anna Abalichina – mit wenig erbaulichem Resultat: Vom Märchen mit allen seinen Wundern war nichts mehr zu sehen; die Geschichte spielt bei Grigorjan zu Zeiten der ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexej Parin

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