Klein, aber fein

Die Òpera de Butxaca in Barcelona feiert 25-jähriges Bestehen. Sie ist ein fabelhaftes Beispiel dafür, wie man mit wenig Geld und viel Fantasie zeitgemäßes Musiktheater machen kann

Zwei Frauen, ein Mann. Nie je in der Geschichte der Literatur, der Bildenden Künste und der Oper war das eine günstige Konstellation. Eine ist immer zu viel. Eine puera robusta, ein weiblicher, kriegerischer Störenfried.

Im Fall des musikalischen Kammerspiels «Diàlegs de Tirant e Carmesina» von Joan Magrané, das auf der mittelalterlichen Erzählung «Tirant lo Blanc» von Joanot Martorell fußt, ist es eine attraktive Dame in Rot (Kostüme: Joana Martí), die als «Viuda reposada», als ruhende Witwe, und als Plaerdemavida über die Bühne wandelt: imposante Erscheinung, lauernd-lodernde Gefahr fürs Idyll. Immer wieder funkt sie in den Dialog der beiden Liebenden hinein, unterbricht die traute Zweisamkeit mit raffinierten Manövern, tröpfelt leise Gift ins kleine Glück.

Regisseur Marc Rosich, er schrieb auch das Libretto, bastelt daraus ein Kammerspiel von enormer Dichte. Das nicht mehr benötigt als einen meist abgedunkelten, abstrakten, hermetischen Ort (Bühne: Jaume Plensa) und eine in sich zerfaserte, insistierend-irisierende Partitur. Für Flöte, Harfe und Streichquartett hat Magrané, einer der vielversprechendsten katalanischen Komponisten, sein Stück geschrieben. Die musikalischen ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

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Impressum Juni 2021

62. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752345

REDAKTION OPERNWELT
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Editorial Juni 2021

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