Klein, aber fein
Zwei Frauen, ein Mann. Nie je in der Geschichte der Literatur, der Bildenden Künste und der Oper war das eine günstige Konstellation. Eine ist immer zu viel. Eine puera robusta, ein weiblicher, kriegerischer Störenfried.
Im Fall des musikalischen Kammerspiels «Diàlegs de Tirant e Carmesina» von Joan Magrané, das auf der mittelalterlichen Erzählung «Tirant lo Blanc» von Joanot Martorell fußt, ist es eine attraktive Dame in Rot (Kostüme: Joana Martí), die als «Viuda reposada», als ruhende Witwe, und als Plaerdemavida über die Bühne wandelt: imposante Erscheinung, lauernd-lodernde Gefahr fürs Idyll. Immer wieder funkt sie in den Dialog der beiden Liebenden hinein, unterbricht die traute Zweisamkeit mit raffinierten Manövern, tröpfelt leise Gift ins kleine Glück.
Regisseur Marc Rosich, er schrieb auch das Libretto, bastelt daraus ein Kammerspiel von enormer Dichte. Das nicht mehr benötigt als einen meist abgedunkelten, abstrakten, hermetischen Ort (Bühne: Jaume Plensa) und eine in sich zerfaserte, insistierend-irisierende Partitur. Für Flöte, Harfe und Streichquartett hat Magrané, einer der vielversprechendsten katalanischen Komponisten, sein Stück geschrieben. Die musikalischen ...
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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Die Theater sind im Umbruch. Der lähmende Stillstand durch die Corona-Krise hat nicht nur enthüllt, wie elend weit hinten im Ranking der Systemrelevanz die Kultur tatsächlich platziert ist. Die Pandemie hat den Blick der marginalisierten Institutionen auch – mit durchaus masochistischen Anteilen – nach innen gelenkt. Lange schon rumorende Fragen nach den...
Große Sehnsucht
Für ihn geht ein lebenslanger Traum in Erfüllung. Schon immer, hat der Aktionskünstler Hermann Nitsch neulich gesagt, habe ihn das Schaffen von Richard Wagner erheblich fasziniert, in seiner Verbindung aus Kult, Religion und Gesamtkunstwerk. Bei den Bayreuther Festspielen inszeniert der 82-Jährige nun den zweiten Teil der «Ring»-Tetralogie, die...
Wieder spielen zu dürfen, heißt noch lange nicht, in der Normalität angekommen zu sein. «Sitzen und Verweilen leider nicht möglich», steht auf dem Schild mit Piktogramm im Foyer des Theaters Basel, das nach Beschlusslage des Schweizer Bundesrats ab dem 19. April einen Blitzstart hinlegen durfte. Sieht grotesk aus und passt irgendwie zu dem, was sich drinnen auf der...
