Quo vadis, Musiktheater?
Wohin geht das Musiktheater heute? Mit sechs Produktionen – drei Reprisen und drei neuen Stücken – bot die diesjährige MaerzMusik der Berliner Festspiele Gelegenheit, über diese Frage nachzudenken. Matthias Osterwold, Künstlerischer Leiter des Hauptstadt-Festivals, hat das Prädikat «Neue Musik» (mit großem N) vor neun Jahren durch das bescheidenere «aktuelle Musik» ersetzt und damit den grundsätzlichen Wandel im ästhetischen Denken auch des Musiktheaters markiert.
So erklärte Altmeister Salvatore Sciarrino gleich zu Beginn des Festivals, dass es das Alte und das Neue für ihn nicht gebe. Eine Feststellung, der die Kollegen mehr oder weniger beipflichten dürften. Wie könnte es auch anders sein. Nach 5000 Jahren Kulturgeschichte hat sich das Neue allzu oft als das in Vergessenheit geratene Alte entpuppt. So war es folgerichtig, Sciarrinos 1998 uraufgeführte «Luci mie traditrici», einen Klassiker aktuellen Musiktheaters, in der szenischen Einrichtung Rebecca Horns für die Salzburger Festspiele nach einem Gastspiel in Madrid nun auch am Wirkungsort der UdK-Professorin zu präsentieren (siehe OW 9-10/2008).
Der 60-Minüter geht auf eine italienische Barocktragödie zurück, für die Sciarrino ...
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