Das erste Mal

Die New Yorker Met bringt kurz hintereinander «Attila» und «Die Nase» heraus. Riccardo Muti beschwört den Tondichter Verdi, William Kentridge feiert Schostakowitsch mit einer Hommage an die russische Avantgarde

Opernwelt - Logo

Riccardo Muti, Herzog & Meuron, Prada... – was den Snob-Appeal betrifft, dürfte das für die Met-Erstaufführung von Verdis «Attila» zusammengekaufte Aufgebot schwerlich zu übertreffen sein. Die Befürchtung, die kapitale Promi-Riege habe sich an einem musikalischen Objekt abgearbeitet, das nicht weiter der Rede wert ist, löste sich jedoch schon während der ersten Takte der Ouvertüre in Luft auf: Gleichsam aus dem Handgelenk beschwor Muti eine nostalgisch angehauchte Tondichtung herauf, in der Vorahnungen von «Aida» mitklangen.

Später schien seine gestochen scharfe, zugleich geschmeidige Lesart die 1846 abgeschlossene Partitur in die Nähe des im Jahr darauf uraufgeführten «Macbeth», ja sogar des zwei Jahrzehnte später entstandenen «Don Carlos» zu rücken, ohne dass darüber die einzigartige, gleichsam aus Nebelschwaden, Donnerklang und Abendrot gemischte tinta dieses frühen, selten gespielten Stücks verloren gegangen wäre.

Die Essenz des «Attila» liegt nicht etwa in der erlesenen ästhetischen Eleganz, die Verdi in späteren Werken anstrebte, sondern in der Urgewalt, die sich sowohl in kleinsten Gesten als auch in explosiven Eruptionen ausdrückt. Eine rasche Verdunkelung des Himmels zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps

ARTE
2.5. – 6.00 Uhr/3.5. – 10.00 Uhr
7.5. – 5.00 Uhr/8.5. – 13.00 Uhr
Prokofjew – Das unvollendete Tagebuch.
Film von Yosif Feyginberg.

2./8.5. – 8.25 Uhr (18)
9./15.5. – 8.25 Uhr (19)
16./22.5. – 8.25 Uhr (20)
23./29.5. – 8.30 Uhr (21)
30.5. – 8.30 Uhr (22)
Little Amadeus.
Zeichentrickserie über die Abenteuer des jungen Mozart. 18. Der Chor der schweigenden Schwestern. 19....

Nicht um jeden Preis

Herr Güra, Sie sind in Sachen Musik genetisch vorbelastet. Ihr Vater war Tubist an der Bayerischen Staatsoper. Welche Musik hat Sie als Kind am meisten geprägt? 

Wagner. Das war dem einfachen Umstand geschuldet, dass mein Vater wegen seines
Instruments nur Karten ab Wagner aufwärts bekommen hat. So habe ich diese Musik als Erstes kennengelernt, und deswegen waren...

Nachhaltig

Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt,...