Quietschvergnügt
Gerald Barry, Jahrgang 1952, ist der wohl bekannteste lebende E-Musik-Komponist Irlands. Er studierte bei Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und Friedrich Cerha. Elektronik und Spiritualität, Witz und Aktionismus – sowie souveränes Handwerk: So könnte man vielleicht die jeweiligen Haupt-Eigenheiten der drei genannten Komponisten, die diese wohl auch pädagogisch vermitteln konnten, benennen.
Stockhausen, Kagel und Cerha waren – beziehungsweise, den hochbetagten Cerha nicht zu vergessen: sind – dem Musiktheater verhaftete Komponisten und damit fast so etwas wie «Ausnahmen», in Anbetracht des sonstigen Musiktheater-Outputs von Komponistinnen und Komponisten des 20. Jahrhunderts. Wo sind denn noch die «großen» Opern-Uraufführungen, wo sind die veritablen Nachfolger-Werke von «Wozzeck» (Berg), «Die Soldaten» (B. A. Zimmermann), «Le Grand Macabre» (Ligeti) und «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» (Lachenmann)? Rihms schwulstige Bedeutungsschwarten überzeugen mich nicht – als immer zu lange, von schlechtem Formempfinden geprägte «Kraftpakete», die auch ein Richard Strauss so komponiert hätte, wäre er 120 Jahre alt (und ein immer schlechterer Komponist) geworden. Oder geht es im neu ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 32
von Arno Lücker
Erstaunlich, was eine Stimme so alles kann. Krakeelen kann sie, krächzen, kichern, krähen, kratzen, klopfen, klagen, kreischen. Und sie kann noch mehr: stammeln, stöhnen, seufzen, schwärmen und schreien. Das sei zu viel der geräuschhaften Zumutungen? Nicht, wenn der Komponist Jörg Widmann heißt und die Interpretin Sarah Aristidou. Zehn Minuten lang mäandert sie in...
Luis de Pablo – im Januar 1930 in Bilbao geboren, am 10. Oktober 2021 in Madrid gestorben – konnte die Uraufführung seiner letzten Oper nicht mehr miterleben. Das Libretto von de Pablos Musiktheater «El Abrecartas» (»Der Brieföffner«), das heuer am Teatro Madrid aus der Taufe gehoben wurde, fußt auf einem Buch von Vicente Molina Foix aus dem Jahr 2006. Doch in der...
Herr Currentzis, am Opernhaus von Perm haben Sie das Privileg der völligen künstlerischen Freiheit genossen, sind aber kürzlich nach Sankt Petersburg gezogen, wo Ihnen im Grunde nur ein experimenteller Proberaum zur Verfügung steht – «Dom Radio». Fehlt Ihnen als überaus theatralischem Menschen, der Sie selbst noch in Ihren Konzerten sind, nicht der Duft des...
