Dystopische Familie
Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger Festspieldebüt 1998 als Janáčeks «Katja Kabanova» in die Elite der Sopranistinnen katapultierte Kammersängerin Angela Denoke nun öfter am Regiepult zu finden sein wird.
In Ulm, ihrem einstigen ersten Stammhaus, hatte sie anlässlich ihres Regiedebüts mit eben jener «Katja Kabanova» im Herbst 2021 noch mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen und musste so manche Abstriche machen. Insofern kam nun ihrer zweiten Regiearbeit am Tiroler Landestheater in Innsbruck die wirkliche reguläre Debütrolle zu: «Salome» von Richard Strauss. Auch dies könnte man, oberflächlich betrachtet, als eine sichere Bank sehen, ist Denoke doch mit der fordernden (und nicht gerade bequemen) Partie durch viele Jahre und manche Inszenierungen aufs Engste vertraut. Betriebsblind freilich machte sie das nicht, ganz im Gegenteil: Mit ihrer individuellen und ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Karl Harb
Bianca e Falliero» ist die fünfte Oper, die der vielbeschäftigte Rossini 1819 schrieb – allerdings nicht für Neapel, wo er seit 1815 als Hauskomponist tätig war, sondern für Mailand. Stendhal hielt sie für missglückt, sie geriet schnell in Vergessenheit. Selbst prominente Rettungsversuche bei den Rossini-Festivals in Pesaro 1986 und Bad Wildbad 2015 konnten das...
Stanisław Moniuszko spielt für Polen die gleiche Rolle wie Michail Glinka für Russland oder Bedřich Smetana für Tschechien: die des Begründers einer eigenen nationalen Schule. Gerade sein Opernerstling «Halka» gilt für die Musiktheaterwelt Polens als unverzichtbar. Dabei hatte sich das Stück um die vom adligen Janusz geliebte und dann sitzengelassene Magd Halka...
An Carl Maria von Webers «Freischütz» hat sich schon so manche Regie-Koryphäe die Zähne ausgebissen. Ist es schon schwierig genug, die düster-romantisch rumorende Geschichte an sich plausibel zu erzählen, liegt die größere Herausforderung darin, sie in eine heutige Gültigkeit zu übertragen, zumal sich auch Webers Partitur mit ihren Ambivalenzen einer stringenten...
