Erste Wahl

Jordi Savalls Neuaufnahme von Haydns «Schöpfung»

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Als Jordi Savall nach dem großen Lockdown im Mai 2021 erstmals wieder ein öffentliches Konzert gab, wählte er mit Haydns «Schöpfung» geradezu programmatisch ein optimistisch von der aufklärerischen Vernunft getragenes Werk weltzugewandter Frömmigkeit und humanen Diesseitsvertrauens. Denn anders als in den Oratorien des Barock steht im Zentrum von Haydns musikalischer Genesis nicht der sündige und büßende, sondern der in den ästhetischen Kategorien von Würde und Anmut idealisierte Mensch mit seiner Verherrlichung des Schöpfers.

In Haydns aufwühlender Vorstellung des Chaos allerdings, mit der das Werk beginnt, scheint nicht nur die Leere vor der Schöpfung, sondern auch die gegenwärtige Er schöpfung der Welt nachzuzittern. 

Man meint, diese instrumentale Einleitung mit ihren schroffen Dissonanzen, ihrer herben Chromatik und ihren abrupten dynamischen Wechseln nie moderner, jedenfalls verstörender gehört zu haben als in diesem Livemitschnitt aus dem katalanischen Cardona. Savall und die 35 Instrumentalisten seines Orchesters deklamieren Haydns auskomponierte Unordnung mit einer Nachdrücklichkeit, die einem den Atem verschlägt. Diese an die rhetorische Topik des Barock erinnernde ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert

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