Gut, besser, Principessa
Giacomo Puccinis wunderschöne – legendär kurze, momenthaft sich verflüchtigende und dabei monumental wirkungsmächtige – Arien haben selten ein «richtiges» Ende. Puccini hat seinen Wagner studiert, nicht nur, was das Durchkomponieren angeht. Und so fällt der stürmische Applaus für Angelos Samartzis’ «Nessun dorma» zu Beginn des dritten «Turandot»-Akts direkt in die nächste Szene der Minister Ping, Pang und Pong hinein. Man glaubt sich in Italien. So viel Emotion! Doch wir sind in Saarbrücken, im Saarländischen Staatstheater. Und auch in Aachen wird gefeiert.
So viel (vermeintliche) Provinz war selten (so begeistert).
Prinzessin Turandots einstige (unbescholtene, verehrte) Vor-Vor-Vorgängerin war von einem Fremden vergewaltigt worden. Turandot verharrt starr und hart in dieser schrecklichen Tradition – und schützt sich rächend vor potenziell ähnlichen Übergriffen, indem sie Heiratsanwärtern unmögliche Rätsel stellt – und die chancenlosen Männer nach erwartbarem Misserfolg umbringen lässt. Yes, she can! Viele Freiende (sie liegen auf Saarbrückens Bühne vielfach tot herum) gaben ihr Leben auf diese Weise bereits dran, und irgendwann hat selbst Turandots (vermeintlich) archaisches Volk ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Arno Lücker
Die Hörner besingen die Magie des Waldes. Langsam fährt die Kamera im Video von Philipp Contag-Lada während des Vorspiels den Bergwald hinunter, und schon stehen die Bäume in Flammen. Der Wald brennt. Weiter unten sieht man verkohlte Stämme, unter denen Hänsel und Gretel in einer notdürftigen Unterkunft mit den Eltern hausen. Regisseur Axel Ranisch macht von Anfang...
Im Quartett der bedeutendsten deutschen Opernkomponisten nach 1945 (Helmut Lachenmann zählt in eine andere Kategorie, sein «Mädchen mit den Schwefelhölzern» bleibt genuin fremdartiges musiktheatrales Unikat) hat Manfred Trojahn, so seltsam es anmutet, immer «nur» den undankbaren vierten Platz belegt, hinter Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm und Aribert Reimann. Mit...
Gerald Barry, Jahrgang 1952, ist der wohl bekannteste lebende E-Musik-Komponist Irlands. Er studierte bei Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und Friedrich Cerha. Elektronik und Spiritualität, Witz und Aktionismus – sowie souveränes Handwerk: So könnte man vielleicht die jeweiligen Haupt-Eigenheiten der drei genannten Komponisten, die diese wohl auch pädagogisch...
