Quicklebendige Groteske

Genf, Mussorgsky/Voronov: Die Heirat

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In der russischen Literatur wimmelt es von passiven Anti-Helden. Der berühmteste, Oblomow, hat Eingang in den psychiatrischen Jargon gefunden: als willensschwacher, apathischer Neurotiker. Zu Oblomows Geistesverwandten gehört auch die Hauptfigur in Gogols «Heirat» von 1842: Podkoljossin trägt sich mit Gedanken an die Ehe, kann aber nur mit Mühe von der Heiratsvermittlerin und Freund Kotschkarjow zur Brautschau überredet werden.

Als sich dann Agafja schon auf ihr Glück freut, packt Podkoljossin die Panik: Ein Sprung aus dem Fenster bewahrt ihn vor der ersten wirklichen Entscheidung seines Lebens.
Gogols Zweiakter inspirierte Mussorgsky zu dem Versuch, einen Prosatext völlig unverändert in Musik zu setzen. Was im Zeitalter der «Literaturoper» normal scheint, überstieg im Jahr 1868 jegliches Vorstellungsvermögen: Wie sollte frei dahergesprochene Alltagssprache ohne jeden Rhythmus, ohne Verse und Reime Melodien tragen können? Aber Mussorgsky ging es nicht um Melodien, sondern um eine neue Form der Sprachkomposition, um den Tonfall der Alltagssprache. Allerdings verlor er schnell die Lust, schon nach vier Szenen brach er seine nur im Klaviersatz ausgeführte Komposition ab und machte sich ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Anselm Gerhard

Vergriffen
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