Aus dem Ganzen schöpfend

Stimmliche Kunst und geistige Haltung gehören für ihn zusammen: dem Bassbariton José van Dam zum 80. Geburtstag

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Für ein Buch über Mozart-Interpretation, das Ende 2020 bei Bärenreiter erscheinen soll, wurde der Bariton Christian Gerhaher danach gefragt, ob es so etwas wie eine Mozart-Stimme gäbe. Natürlich zog er den Begriff als solchen in Zweifel. Dann verwies er aber doch auf den belgischen Kollegen José van Dam.

Der habe auch vieles andere fantastisch gesungen, aber sein Figaro in der Aufnahme unter Neville Marriner sei ein «Nonplusultra» und «das Nobelste», was man sich vorstellen könne – wegen der Klangschönheit und -bewusstheit, letztlich wegen der Mischung aus stimmlicher Kunst und geistiger Haltung gegenüber einer Rolle. Damit sind zentrale Kriterien benannt, die José van Dams Gesang seit jeher ausgezeichnet haben. Bei Mozart und darüber hinaus.

Dass Olivier Messiaens tendenziell endloses, an spiritueller Energie reiches Musiktheater-Mysterium «Saint François d’Assise» überhaupt seinen Weg auf die Bühnen fand, ist wesentlich José van Dam zu verdanken, der die Titelpartie nicht nur bei der Uraufführung 1983 in Paris sang, sondern – wichtiger noch – in der von Gerard Mortier angeregten Produktion in der Salzburger Felsenreitschule knapp zehn Jahre später. Da verschmolzen nicht nur ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Stephan Mösch

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