Aus dem Ganzen schöpfend
Für ein Buch über Mozart-Interpretation, das Ende 2020 bei Bärenreiter erscheinen soll, wurde der Bariton Christian Gerhaher danach gefragt, ob es so etwas wie eine Mozart-Stimme gäbe. Natürlich zog er den Begriff als solchen in Zweifel. Dann verwies er aber doch auf den belgischen Kollegen José van Dam.
Der habe auch vieles andere fantastisch gesungen, aber sein Figaro in der Aufnahme unter Neville Marriner sei ein «Nonplusultra» und «das Nobelste», was man sich vorstellen könne – wegen der Klangschönheit und -bewusstheit, letztlich wegen der Mischung aus stimmlicher Kunst und geistiger Haltung gegenüber einer Rolle. Damit sind zentrale Kriterien benannt, die José van Dams Gesang seit jeher ausgezeichnet haben. Bei Mozart und darüber hinaus.
Dass Olivier Messiaens tendenziell endloses, an spiritueller Energie reiches Musiktheater-Mysterium «Saint François d’Assise» überhaupt seinen Weg auf die Bühnen fand, ist wesentlich José van Dam zu verdanken, der die Titelpartie nicht nur bei der Uraufführung 1983 in Paris sang, sondern – wichtiger noch – in der von Gerard Mortier angeregten Produktion in der Salzburger Felsenreitschule knapp zehn Jahre später. Da verschmolzen nicht nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Stephan Mösch
Als am 1. Mai Premiere auf YouTube war, schrieben wir in unseren Corona-Zeiten den «Tag 47». Was man damals noch nicht wissen konnte: Es war ungefähr die Mitte der virusbedingten Isolationsphase. Mittlerweile nimmt das Leben wieder ein wenig Fahrt auf. In Salzburg hatte mit besagtem «Tag 47» der um Ideen nie verlegene versatile junge Regionalkantor der...
Das Ensemble steht unter dem Holstentor der Hansestadt und stimmt Don Giovannis Credo an: «Viva la libertà.».Doch das Quintett muss sich schützende Schals um die Sängermünder binden, aus denen Mozarts Motto nun nur noch wattig hervordringt. Die Performance-Premiere «Alive» zum Abschluss der Saison nach exakt dreimonatiger Pandemiepause findet in zwei Varianten...
Verdis neunter, 1846 in Venedig uraufgeführter Oper «Attila» begegnet man selten auf der Bühne. Peter Konwitschny hat sie 2013 in Wien als schrilles Kasperletheater, Dietrich Hilsdorf 2017 in Bonn als blutrünstige Groteske bebildert. Beides trifft das kolossal dimensionierte Schauerdrama um die Ermordung Attilas, das Verdi hier im Stil eines...
