Der fliegende Hamburger

Karin Moelling, Ururenkelin von Gottfried Semper, unternimmt eine Kultur- und Bildungsreise auf den Spuren des Meisterarchitekten – und entdeckt dabei so manches kleine Geheimnis

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Fast scheint es, als stünde dieser elegant gekleidete Mann, wie er da auf einem mehr als anderthalb Meter hohen Sockel auf der Brühlschen Terrasse zu Dresden thront, das linke Knie angewinkelt, den nämlichen Fuß auf zwei Tempelruinen mit Löwenköpfen gesetzt, während der rechte auf Meißner Granit ruht, souverän über den Dingen. Doch der erste Schein trügt. Sein in Bronze gegossener Blick verrät Vertiefung, Konzentration, Nachdenklichkeit, ja sogar einen Hauch von Tristesse.

In den Händen trägt er eine Pergamentrolle, und es war gewiss kein Zufall, dass der Bildhauer Johannes Schilling ihm ein solches «Hilfsmittel» in die Hände drückte. Sein ganzes, unstetes Leben hat Gottfried Semper mit (bei Weitem nicht immer erfüllten) Plänen zugebracht, solchen aus Papier und solchen, die durch seinen visionären Kopf spukten.

Kein Zweifel, er war ein Meister seines Fachs; um das zu wissen, genügt allein ein Streifzug durch die sächsische Elbmetropole. Das 1841 errichtete Hoftheater (die heutige Semperoper), weiland «das schönste Theater der Welt»; die so imposante wie grandiose Gemäldegalerie und die (am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht zerstörte) Synagoge in Dresden, das ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Jürgen Otten

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