Hurra, wir leben noch!

Alive
LÜBECK | THEATER

Opernwelt - Logo

Das Ensemble steht unter dem Holstentor der Hansestadt und stimmt Don Giovannis Credo an: «Viva la libertà.».Doch das Quintett muss sich schützende Schals um die Sängermünder binden, aus denen Mozarts Motto nun nur noch wattig hervordringt. Die Performance-Premiere «Alive» zum Abschluss der Saison nach exakt dreimonatiger Pandemiepause findet in zwei Varianten statt: für wenige, per Los Auserwählte als Live-Event, für alle Zuhausegebliebenen in der Videoversion von Konrad Kästner. Letztere spielt launig lustvoll, klug mit der Corona-Dialektik von Nähe und Distanz.

Denn das Duett aus Verdis «Simon Boccanegra», in dem Vater und Tochter miteinander ringen, spiegelt die globale Situation in der Form einer transatlantischen Aufführung: Während Gerard Quinn seinen Bariton im Theater Lübeck strömen lässt, ist Sopranistin María Fernanda Castillo aus ihrer Heimat Mexiko per Konferenz-Software zugeschaltet. Andreas Wolf dirigiert dazu Korrepetitorin Utako Washio als Vertreterin des Orchesters. «Connection lost», heißt es dann auf einmal – eine inszenierte Internetstörung. Bewusst offen bleibt, ob das Duett wirklich auf zwei Kontinenten stattfindet oder das Spiel mit ferner Nähe der Fantasie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Neustart, Seite 24
von Peter Krause

Weitere Beiträge
In eigener Sache

«Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928 in «Saison», und Joachim Kaiser zitiert ihn fast verschämt zu Beginn seines «Kleinen Theatertagebuchs» (1965), um danach eine subtile Analyse eben jener Gefallsucht folgen zu lassen. Kritiker seien eitel, weil ihr Tun sie dazu bringe und zwinge, «wohlerworbenen...

In der Warteschleife

In der Musikhochschule von Helsinki hing an einem Mittwoch im Jahr 1994 ein Zettel. «Wer gern einmal dirigieren möchte, darf am Samstag um 10 Uhr in den Orchestersaal kommen.» An jenem Tag entschied sich das Leben von Pietari Inkinen. Der 14-Jährige aus der finnischen Mittelstadt Kouvola, die vor allem Skispringer und Eishockeyspieler hervorgebracht hat, war ein...

Goldglockentöne

«Keinen hat es noch gereut, / Der das Ross bestiegen, / Um in frischer Jugendzeit / Durch die Welt zu fliegen.» Forsch und keck, mit Brahms und Tieck und wohl auch autobiografisch geht es los auf der neuen Lieder-CD des 33-jährigen Rafael Fingerlos. Aus dem südlichsten Zipfel des Salzburger Landes, dem Bezirksort Tamsweg, hat er sich mittlerweile seinen Weg...