Quellenstudium in Taubenblau
Der Mann hatte viele Talente. Fast zu viele, um sich zu entscheiden. Doch Günter Henle, Nachfahre einer jüdischen Familie, die, um antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, zum katholischen Glauben übergetreten war, machte aus der «Not» eine Tugend: Er vereinte die Begabungen und reüssierte erst als Diplomat, dann als Industrieller und schließlich als Verleger. Für die Musikwelt entscheidend wurde letztere Tätigkeit, die ihm schon in die Wiege gelegt worden war.
Sein Vater, so lesen wir es in Tobias Heyls sorgfältig recherchierter, allerdings leicht ins Hagiographische neigender Publikation «75 Jahre G. Henle Verlag», liebte die Musik und übertrug diese tiefe Zuneigung auf seinen Sohn. Der schuf früh die Grundlagen, um später mit Fachwissen an der Spitze des Verlags zu stehen. Günter Henle erlernte das Geigen- und Klavierspiel, er begleitete seine Eltern in die Oper, er war aktiver Teil der musikalischen Soirées im Hause Henle. Wesentliche Einflüsse verdankte er seinem Klavierlehrer Walter Lampe, der noch bei Clara Schumann und Engelbert Humperdinck studiert hatte und sich nun des jungen, augenscheinlich begabten Mannes annahm; späterhin sollte er auch als Berater Impulse setzen. ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Jürgen Otten
Was hat man nicht alles versucht für den Schluss von Puccinis letzter, unvollendeter Oper, in berechtigter Unzufriedenheit über das ruppig kurze Schlussduett von Franco Alfano? Ihn neu komponieren zu lassen von Luciano Berio, dessen stilistische Gratwanderung (2002) auch nicht recht befriedigen wollte; ihn, was in jüngerer Zeit häufiger probiert wurde, ganz...
Puccinis «Tosca» firmiert in der italienischen Kapitale unter dem Rubrum «Lokaloper». Ein Wunder ist dies nicht, Handlungsorte und auch das Haus, in dem das Werk aus der Taufe gehoben wurde (das Teatro Costanzi), befinden sich allesamt in Roms Altstadt. Adolf Hohensteins Bühnenbilder und Kostüme für die Uraufführung anno 1900 leben in den zahlreichen...
Schräg hinterhalb des Musentempels, in der Via Brera, gibt es das i-Tüpfelchen für den Abend zu kaufen. Wer will, kann sich zur Serata Inaugurale mit dem ultimativen Divenduft einstäuben, «The Merchant of Venice», ein versteckter Laden, bietet «Maria Callas – Eau de Parfum» an. Ansonsten feiert Mailand den 100. Geburtstag der Unerreichbaren mit zwei Ausstellungen...
