Der Blick zurück
Puccinis «Tosca» firmiert in der italienischen Kapitale unter dem Rubrum «Lokaloper». Ein Wunder ist dies nicht, Handlungsorte und auch das Haus, in dem das Werk aus der Taufe gehoben wurde (das Teatro Costanzi), befinden sich allesamt in Roms Altstadt. Adolf Hohensteins Bühnenbilder und Kostüme für die Uraufführung anno 1900 leben in den zahlreichen Nachfolgeproduktionen fort. So auch in der Neuinszenierung von Alessandro Talevi.
Das rekonstruierte Bühnenbild mit dem Interieur der Kirche Sant’Andrea della Valle und der Plattform der Engelsburg wirkt so, als habe sie ein akademischer Architekturmaler angefertigt. Erstaunlich sind die Grundrisse der Hohenstein’schen Bühnenbilder. Die nämlich verführen keineswegs zum Rampensingen, sondern bieten beste Voraussetzungen zu aktionsgeladener Bewegung.
Scarpias Gemach im Palazzo Farnese etwa ist eine überreiche Variation von Rechteck-, Konkavund Konvexformen; die in einer Nische befindliche, unscheinbare Tür scheint eher auf die Dienerschaft-Treppe als in die finstere Folterkammer zu führen – eine perfekte Tarnung für den Sadismus des Polizeichefs. Effektvoll der Saal im Palazzo Farnese mit den an Gerüsten angebrachten, bemalten ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Kaminski
Bereits 2018 hatte die Wiener Volksoper ein Buch herausgebracht: «Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt». Die Autorin Marie-Theres Arnbom zeichnet darin das Schicksal all der, zumal jüdischen Künstler nach, die das Haus nach dem «Anschluss» Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verlassen mussten, festgemacht an der Operette, die auf dem Spielplan stand,...
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...
Mozarts «Ascanio in Alba» fristet im gängigen Opernrepertoire eher ein Nischendasein. Bei der Frankfurter Erstaufführung erstrahlt das Bühnenwerk aus der Feder des 15-jährigen Komponisten in zeitgemäßem Design. Regisseurin Nina Brazier und Bühnenbildner Christoph Fischer siedeln die von Kaiserin Maria Theresia für die Hochzeitsfeierlichkeiten eines Sohnes in...
