Putztrupp für Prince
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt davon, dass dieses «Buffet» überhaupt noch in Betrieb ist. Kein Wunder, dass keine Gäste zu sehen sind und der Padrone schlafend an der blanken Kasse hängt, aus der seine Töchter ihm noch die letzten Lappen klauen.
Don Magnifico, in Rossinis Erfolgsoper «La Cenerentola» eigentlich ein verarmter Baron, ist in Salzburg zum abgetakelten Barbesitzer mutiert. Warum, bleibt bei Regisseur Damiano Michieletto ebenso unklar wie so manch anderes Detail in seiner Inszenierung für die Salzburger Pfingstfestspiele, die das Geschehen um das gedemütigte Aschenputtel aus den adeligen Herrscherhäusern ins heutige Ambiente verlegt. Ein schriller Schrei ertönt, als unter großem Gedöns per Video die Ankunft von Prince verkündet wird, dessen bevorstehendes Konzert bereits zuvor aufgeregt plakatiert wurde: In Frauenkleidern umringen die Herren des ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Reinhard Kager
Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in...
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen...
