Schreiben, treiben

George Benjamin «Written on Skin» und Wolfgang Rihm «Dionysos» auf DVD

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Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu ­essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine ­Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in seinem Libretto auf faszinierende Weise mit der Erzählperspektive. Zunächst bleiben die Figuren namenlos – «the boy», «the woman», «the man» – wodurch das Dreieck im archetypisch Allgemeinen verortet wird.

Dass die Figuren ihre eigenen Erzähler sind («... says the woman», singt etwa Agnès), verstärkt die Distanz zum Geschehen und verweist zugleich auf das Buch, das der Jüngling schreibt: Die Figuren sind auch Figuren dieses Buches. Vor allem eine will sich daraus lösen, will selbst gestalten: die Frau, Agnès. Denn es ist nicht ihre Geschichte. So fällt, als sie mit dem Jüngling eine Liebesbeziehung beginnt, der Erzähler weg, zugunsten der direkten Rede. Ein Naherücken. Ein Ringen um Identität. Und gera­de dort, wo Agnès’ Selbst bestätigt oder verleugnet wird, bricht die Singstimme aus dem litaneihaften Kreisen über ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Wiebke Roloff

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