Verbeugung vor der Tradition
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es schnell, dass es kein Happy End geben kann. Ein wenig hat es gedauert, 14 von 17 Festivaltagen, um genau zu sein, dann war der Erfolg da. Eine Uraufführung mit doppelter Finalwirkung.
«Das geopferte Leben», dieser umgekrempelte Orpheus-Mythos von Hèctor Parra, war nicht nur die letzte Produktion der diesjährigen Münchener Biennale, sie markierte zugleich das Ende der Ära von Peter Ruzicka. Vieles könnte man folglich in den Neunzigminüter, der mit Barockem und Modernem jongliert, hineingeheimnissen, Grundsätzliches, Bilanzierendes. Und einem solchen leisen Denker wie Ruzicka ist zuzutrauen: Genau das hat er auch beabsichtigt.
Bemerkenswert vor allem beim 14. Durchgang dieses weltweit einzigartigen Festivals: So viel schnell (Er-)Fassbares war lange nicht. Eine Biennale, die sich nicht mutig ins Irgendwohin bewegte, sondern vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Am 8. Juli 1947 notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch, er habe ein «Neues, langes Schreiben von Furtwängler» erhalten und kommentiert lapidar: «töricht». Der Schriftsteller reagiert mit Schweigen.
Worum geht es? Im Mai 1947 kehrt Wilhelm Furtwängler nach seiner Entnazifizierung ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück. Gleichzeitig befindet sich Mann, aus dem...
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel...
Kurz vor der Uraufführung seines «Wölfli-Liederbuchs» meldete sich Wolfgang Rihm mit einer Bitte an die Interpreten zu Wort: Die sieben Stücke sollten «in dynamische Extreme» geführt werden; «wenn dasteht fffpppfff, ist das physische Zuckung ... Ich stelle mir das Ganze vor: karg und glühend, eisig heiß, winterlich ohne Naturbild». Was der damals (1981) 29-Jährige...
