Purpurschimmer der Romantik

E.T.A. Hoffmann als Opernkomponist

Opernwelt - Logo

Kein anderer Schriftsteller ist auf der Opernbühne so präsent wie E.T.A. Hoffmann, aber nicht mit einem eigenen Werk, sondern als Titelheld von Jacques Offenbachs doppelbödiger Opéra fantastique «Les Contes d’Hoffmann», die zu den populärsten Stücken des Musiktheaters gehört.

Den wenigsten Zuschauern dieser genial doppelbödig zwischen Fantasie und Realität angesiedelten Oper dürfte bewusst sein, dass die Bühnenfigur Hoffmann auch im bürgerlichen Leben die Identitäten wechselte, also nicht nur Künstler, sondern als angesehener, hoher Jurist zugleich preußischer Beamter, als Künstler nicht nur erfolgreicher Schriftsteller, sondern zugleich professioneller Komponist war. Doch selbst wer das weiß, wird nie eine seiner Opern, gar sein musikalisches Hauptwerk «Undine», auf dem Theater gesehen haben, weil niemand sie aufführt. Dabei hat Hoffmann um die Tonkunst länger gerungen als um die Literatur, ein bedeutendes musikalisches Œuvre hinterlassen und gilt doch im allgemeinen Bewusstsein als komponierender «Dilettant». Selbst Rüdiger Safranski zieht in seiner Hoffmann-Biografie ein durchwachsenes Fazit: «Als Komponist wird er nicht erreichen, was ihm vorschwebt, und zwar deshalb nicht, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Zum 200. Todestag von E.T.A. Hoffmann, Seite 88
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Konsequent sachlich, kunstvoll expressiv

Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist? Welche Befähigung ist stärker, welche «Berufung» zwingender? So lauten die Fragen, wenn Komponist und Dirigent sich in einer Person versammeln. Gustav Mahler (zu Beginn des 20. Jahrhunderts) und Pierre Boulez (über weite Strecken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) besetzten dank vollendeter Kompetenz und...

Der geteilte Himmel

Die Musik, so hat es, überaus sinnfällig, Claude Debussy einmal notiert, sei für das «nicht Auszudrückende» geschaffen, also im Kern für das, was man mit Worten kaum oder gar nicht mehr sagen könne. Diese Sentenz war dem Moralphilosophen und Musikologen Vladimir Jankélévitch ein tieferes und ausgiebigeres Nachdenken wert, mit dem Ergebnis, dass er ein Buch schrieb,...

«Die Welt ist größer, als wir denken»

Herr Wirth, Sie sind nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist ein erfahrener Praktiker der Neuen Musik. «Girl with a Pearl Earring» ist Ihre erste Oper. Wie kam es dazu?
Ich wollte schon immer eine Oper schreiben. Schon als Kind habe ich obsessiv Werke wie «Salome», «Elektra» und «Jenůfa» gehört.. Der wesentliche Impuls kam dann von außen. Daraufhin habe...