Purpurschimmer der Romantik
Kein anderer Schriftsteller ist auf der Opernbühne so präsent wie E.T.A. Hoffmann, aber nicht mit einem eigenen Werk, sondern als Titelheld von Jacques Offenbachs doppelbödiger Opéra fantastique «Les Contes d’Hoffmann», die zu den populärsten Stücken des Musiktheaters gehört.
Den wenigsten Zuschauern dieser genial doppelbödig zwischen Fantasie und Realität angesiedelten Oper dürfte bewusst sein, dass die Bühnenfigur Hoffmann auch im bürgerlichen Leben die Identitäten wechselte, also nicht nur Künstler, sondern als angesehener, hoher Jurist zugleich preußischer Beamter, als Künstler nicht nur erfolgreicher Schriftsteller, sondern zugleich professioneller Komponist war. Doch selbst wer das weiß, wird nie eine seiner Opern, gar sein musikalisches Hauptwerk «Undine», auf dem Theater gesehen haben, weil niemand sie aufführt. Dabei hat Hoffmann um die Tonkunst länger gerungen als um die Literatur, ein bedeutendes musikalisches Œuvre hinterlassen und gilt doch im allgemeinen Bewusstsein als komponierender «Dilettant». Selbst Rüdiger Safranski zieht in seiner Hoffmann-Biografie ein durchwachsenes Fazit: «Als Komponist wird er nicht erreichen, was ihm vorschwebt, und zwar deshalb nicht, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Zum 200. Todestag von E.T.A. Hoffmann, Seite 88
von Uwe Schweikert
Opernwelt
63. JAHRGANG, JAHRBUCH 2022
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690 | Best.-Nr. 752966
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Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Arno Lücker
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Justus Kamp | redak...
Schon der Anfang: die reine Musik. Musik als Theater, Theatermusik. Dazu ein Schauspiel von erhabener Größe, unvergleichlich grandios übersetzt von Hans Wollschläger, man lässt sich diese Sätze immer wieder gerne auf der Zunge zergehen: «Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein...
Seltsam, dieser Beginn. Vertraut man leichtgläubig und naiv auf die drei vorgezeichneten Kreuze und liest man den Text, käme als Tonart eigentlich nur A-Dur in Frage – und ein optimistischer Gestus. «Im wunderschönen Monat Mai», das klingt nach ungehemmter, frühlingshafter Vorfreude. Doch schon die Spiel- und Singanweisung «Langsam, zart» deutet vorsichtig an, dass...
