Klang der Entsagung
Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles Weltlichen.
Um was geht es im Schlussakt der «Liebe der Danae», Richard Strauss’ vorletzter Oper? Ein Gott ergibt sich in die Ablehnung einer Menschenfrau, die er liebt; die Menschenfrau, Danae, besingt ihr einfaches Glück mit dem Eseltreiber Midas: «Midas’ Hütte, Danaes Reich!» Der Rest: musikalisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles Weltlichen. Mögen zwischen dem Preußen Fontane und dem Bayern Strauss in Mentalität und lokaler Prägung auch Welten liegen, es tun sich Parallelen auf bis hin zur leisen Ironie, die Roman wie Oper durchzieht.
Die Bezüge zu Richard Wagner jedenfalls sind so zahlreich in der «Danae», dass man nicht nur von einer «heiteren Mythologie» sprechen kann wie Strauss im Untertitel des Stückes, sondern eigentlich von einer «heiteren Parodie» – auf die Welt ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Clemens Haustein
Grisélidis» aus dem Jahre 1901 steht im Schatten vieler bekannterer Opern aus Massenets Feder. In der Tat scheint diese «Conte lyrique», also: «lyrische Erzählung», mit ihrem ins Mittelalter projizierten Traumbild von ehelicher Treue so überzeichnet, mit der Fokussierung auf den unbedingten Gehorsam der Ehefrau so altväterisch, dass schon vergangene Generationen...
Die Namen von Robert Fürstenthal und Walter Aptowitzer sind vermutlich nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Beide Komponisten stammten, wenngleich sie unterschiedlichen jüdischen Milieus angehörten, aus Wien; beide mussten 1938, nach dem «Anschluss» Österreichs, ihre Heimat verlassen, um nicht in die Fänge des nationalsozialistischen Terrors zu geraten; und beide...
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von...
