Regenschauer aufs Herz

Sabine Devieilhe und Huw Montague Rendall prägen Debussys «Pelléas et Mélisande» an der Opéra national de Paris, Wajdi Mouawads Inszenierung gerät etwas plakativ

Opernwelt - Logo

Die Neuproduktion von «Pelléas et Mélisande» an der Pariser Nationaloper ruht fast ganz auf den Schultern beziehungsweise Gurgeln des Titelpaars. Sabine Devieilhe singt die Mélisande seit nunmehr zehn Jahren: konzertant (in Tourcoing 2015 und am Pariser Théâtre des Champs-Élysées 2018) und auch szenisch (Ende letzter Spielzeit mit großer Resonanz an der Bayerischen Staatsoper). Als Sängerdarstellerin trat sie in dieser Rolle nun aber erstmals in ihrem Heimatland auf. Die Erwartungen waren hoch, Devieilhe hat diese womöglich noch übertroffen.

Von der Stimme her entspricht die Normannin den Anforderungen der Rolle ideal. Ihr Timbre ist weder kühl noch farblos, aber von einer großen Reinheit: homogen über die Register hinweg, weder Inklusionen von Kolorit noch Trübungen der Transparenz aufweisend – diaphan wie ein Diamant und pur wie eine Perle. Mélisandes Hauptcharakteristik ist ihre mysteriöse Natur: Sie ist ein Mensch, aber nicht unbedingt ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wo kommt sie her, was hat sie durchgemacht, warum vermag sie in ihrer neuen Heimat nicht Wurzeln zu schlagen? Woran krankt sie, woran stirbt sie? Ein Timbre, das zu opulent, zu parfümiert, zu körperhaft wäre, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Marc Zitzmann

Weitere Beiträge
TV, Streams, Kino 4/25

arte
07.04. – 00.50 Uhr Javier Perianes spielt Scarlatti & Albéniz
Der spanische Pianist Javier Perianes begibt sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Komponisten Domenico Scarlatti und Isaac Albéniz, die zeitlich zwar zwei Jahrhunderte auseinander liegen, sich aber durch die Verbindung mit der andalusischen Folklore nahe sind.

08.04. – 01.05 Uhr...

Liebe ist nur eine Möglichkeit

Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von...

Schöne Welt, wo bist Du?

Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...