Punktgenau
Wie der «kleine Tod» klingt? Nicht als Naturlaut notabene, sondern als musikästhetisches Konstrukt? Richard Strauss bemühte dafür hochfliegende Streicher und Hörner, Tremoli, Holzbläsertriller und Harfenglissandi. Bernhard Lang greift in seinem Erotikkarussell «Der Reigen» nach Arthur Schnitzler auf eine «spermatozoische Spezialstruktur» zurück, «bestehend aus zehn zwanzigstimmigen Klängen, die das Stück einerseits umrahmen und sich als Orgasmusfigur jeweils in der Szenenmitte wiederholen» (Lang).
Letzteres ist freilich eher unschnitzlerisch, denn der Schriftsteller hatte an die Stelle solcher Eindeutigkeit Gedankenstriche gesetzt.
Im Zusammenhang mit der maschinellen Struktur von Langs «Loops», die in diesem Stück zwanghaftes Betragen im Erotikbereich symbolisieren, kommt einem auch Udo Lindenberg und dessen Song über Daniel Düsentrieb in den Sinn: «Und abends ging man ins Automatenbordell, dort wurde gebumst, und zwar maschinell ...» Nicht auf Lindenberg, sondern auf Thomas Bernhards Sprachverfahren bezieht sich der Komponist mit seiner repetitiven Kompositionsmethode, und eher an Bernhard als an Schnitzler denkt man auch bei Michael Sturmingers Libretto. Hatte der Wiener Arzt ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché
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JUBILARE
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