Punktgenau
Wie der «kleine Tod» klingt? Nicht als Naturlaut notabene, sondern als musikästhetisches Konstrukt? Richard Strauss bemühte dafür hochfliegende Streicher und Hörner, Tremoli, Holzbläsertriller und Harfenglissandi. Bernhard Lang greift in seinem Erotikkarussell «Der Reigen» nach Arthur Schnitzler auf eine «spermatozoische Spezialstruktur» zurück, «bestehend aus zehn zwanzigstimmigen Klängen, die das Stück einerseits umrahmen und sich als Orgasmusfigur jeweils in der Szenenmitte wiederholen» (Lang).
Letzteres ist freilich eher unschnitzlerisch, denn der Schriftsteller hatte an die Stelle solcher Eindeutigkeit Gedankenstriche gesetzt.
Im Zusammenhang mit der maschinellen Struktur von Langs «Loops», die in diesem Stück zwanghaftes Betragen im Erotikbereich symbolisieren, kommt einem auch Udo Lindenberg und dessen Song über Daniel Düsentrieb in den Sinn: «Und abends ging man ins Automatenbordell, dort wurde gebumst, und zwar maschinell ...» Nicht auf Lindenberg, sondern auf Thomas Bernhards Sprachverfahren bezieht sich der Komponist mit seiner repetitiven Kompositionsmethode, und eher an Bernhard als an Schnitzler denkt man auch bei Michael Sturmingers Libretto. Hatte der Wiener Arzt ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché
Ach, wer bringt die schönen Tage wieder? Vor Elsas Fenster liegt ödes Land: abgegraste Stoppelfelder, düster, kahl und kalt wie die Menschen, die hier leben. Goldfunkelnd leuchtet das Gralsmotiv aus dem Graben, Elsa kauert auf dem Bett, an der Zimmerwand erinnert ein Jagdhorn an den verschollenen Bruder.
In der Dortmunder Inszenierung von Ingo Kerkhof scheint der...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
Inwieweit das Gärtnerplatztheater auch größere Opernformate spielen sollte, bleibt eine Schlüsselfrage für Münchens zweite, kleinere Musiktheaterbühne. Josef E. Köpplinger, der gegenwärtige Intendant, schien in den letzten Jahren eher verstärkt auf Operette und Musical zu setzen. Dass er nun erstmals in der Geschichte des Hauses Giacomo Puccinis «Tosca» ansetzte,...
