Nicht ohne Frivolität
Edgar Degas war als Vorläufer impressionistischer Tendenzen nicht nur ein hervorragender Maler, Zeichner und subtiler Farbjongleur des Pastells, sondern ein ebenso genauer Beobachter mit ausgeprägten experimentellen Interessen. Die aufkommende Fotografie nutzte er für die bildnerische Präzision der Bewegungswiedergabe. Berühmt und gerühmt wurden seine dynamischen Darstellungen des Balletts der Pariser Grand Opéra – mit fast ausschließlichem Blick auf das weibliche Personal.
Das Pariser Musée d’Orsay, spezialisiert auf die Kunst der «Hauptstadt des 19.
Jahrhunderts» und genreübergreifende Akzentuierungen, bei denen die Musik im Zentrum steht, zeigt jetzt in einer Ausstellung Degas als den enzyklopädischen Dokumentaristen der Pariser Operninstitution schlechthin. Gleich in den ersten Räumen steht das eindrückliche Modell des Palais Garnier als Epizentrum von Degas’ bildnerischer Erforschung des Opernkosmos. Zahllose zeichnerische Studien hat der Künstler von befreundeten Musikern gemacht. Sie alle fanden Eingang in die großformatigen Gemälde, die zum Teil nicht ohne eine gewisse Ironie tiefe Einblicke in das Aufführungsgeschehen geben.
Im Graben sitzen die Musiker an ihren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Bernd Künzig
Als identitätsstiftendes «Friedenswerk» war gedacht, was einige Künstler unter dem Eindruck der Verheerungen, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hatte, 1920 initiierten: die Salzburger Festspiele. Menschen aus aller Welt sollten in der Mitte Europas, fern der Metropolen, zusammenkommen, um in der Anschauung großer Kunst neue Wege der (Selbst-)Verständigung über...
Inwieweit das Gärtnerplatztheater auch größere Opernformate spielen sollte, bleibt eine Schlüsselfrage für Münchens zweite, kleinere Musiktheaterbühne. Josef E. Köpplinger, der gegenwärtige Intendant, schien in den letzten Jahren eher verstärkt auf Operette und Musical zu setzen. Dass er nun erstmals in der Geschichte des Hauses Giacomo Puccinis «Tosca» ansetzte,...
Das Stück war nicht etwa uninteressant, es war einfach zu interessant, und deshalb war es schnell weg»: So deutet Peter Konwitschny das Schicksal von Paul Dessaus Oper «Lanzelot», uraufgeführt 1969 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, nirgendwo mehr inszeniert seit 1972. Der Regisseur, Jahrgang 1945, war selbst Mitakteur der (staatlich gelenkt) blühenden,...
