Pulsieren und Pulverisieren
Manchmal scheint das Problem zeitgenössischen Musiktheaters darin zu liegen, dass entweder zu viel, zu wenig oder – wie häufig – im Grunde gar nichts erzählt wird. Diese Problematik tritt im Zeichen von Christian Josts «Egmont» in der Deutschen Erstaufführung (2020 bestellt und uraufgeführt vom Theater an der Wien) in Bielefeld vollkommen in den Hintergrund. Jost und Librettist Christoph Klimke finden ein überzeugendes Maß an Erzählqualität und -quantität.
Und Jost hechelt an keiner Stelle der Beethoven’schen «Egmont»-Schauspielmusik zu Goethes Drama hinterher.
Erzählt wird das am historischen (und musikhistorischen!) Vorbild ausgerichtete Schicksal von Graf Egmont, welcher der schier unmöglichen Aufgabe ausgesetzt wird, Frieden und Freiheit – auch die der Religionsausübung – zu vereinbaren. Aus der Reformation und der Machtübergabe von Karl V. an seinen Sohn Philipp resultierten Unruhen in Flandern. Philipp II. versuchte, die «Abtrünnigen» durch den Schrecken der Inquisition zwangszubekehren. Der achtzigjährige Krieg folgte. Unzählige Menschen starben; der «Preis» für die spätere Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien.
Graf von Egmond versuchte, zwischen niederländischem ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Arno Lücker
Einst war einmal im grünen Wald der Max,
Der wollte frei’n des Erbförsters Agathen.
Doch länger schon, ihr könnt‘ es sicher raten,
Gab’s selten Fleisch daheim, und wenn: vom Dachs.
Ein Jägerchor macht «Trallala» und rotzt
Den Becher voll mit Bier und Speisebreien.
Da hilft beim Weber Carl nur weiter Schreien,
Auf dass man dann halt weiter säuft – und kotzt.
Der...
Das französische Wort «traversée» besitzt im Deutschen verschiedene Bedeutungen. Gemeint sein kann damit sowohl das Überqueren eine Brücke, das Durchschwimmen eines Flusses, aber auch ein Flug übers Gebirg’ hinweg. Für Patricia Petibon und Andrea Marcon bedeutet es, wie der italienische Dirigent in einem kleinen Beitrag für das Booklet des Albums «La Traversée»...
Das Glück? Gleicht ein bisschen dem Mond. Allzu selten erscheint es in vollem Glanze, und dann auch nur für Augenblicke, bevor es wieder abnimmt, Stück für Stück, und schließlich wie von Geisterhand verschwunden ist, im Irgendwo, dort also, wo man es nicht findet, selbst wenn man sich auf die Suche danach begibt. Für Jenůfa ist diese Abwesenheit von Glück der...
