Weiter, immer weiter
Das Statement ist klar und kommt ohne Umschweife: «Was mich an der Arbeit auf der Bühne interessiert: Ich will selbst glauben an die Beziehungen der Figuren untereinander», sagt Cornelia Beskow gleich zu Beginn des Gesprächs. Und die gemeinsame Suche aller nach diesem Beziehungsgeflecht ist ihr wichtig: «Wenn meine Kollegen diese Mission teilen, können wir zusammen eine gute und glaubhafte Geschichte erzählen – und nur darum geht es letztlich.
»
Wie also schafft es Jenůfa, ihrer Pflegemutter den Mord an ihrem Baby und ihrem späteren Bräutigam Laca die Verunstaltung ihres Gesichtes zu verzeihen? Warum bleibt Senta dem ersehnten Holländer gegenüber so misstrauisch? Welche Dynamik entwickelt sich zwischen Tatjana und Onegin? Warum bloß will Donna Elvira ihren Don Giovanni nicht loslassen? Erst, wenn während der Probenarbeit auf derlei Fragen eine authentische Antwort gefunden ist, fühlt sie sich sicher, eine überzeugende Vorstellung geben zu können. So wie mit Julia Bullock zum Beispiel als Küsterin in der Osloer «Jenůfa» (OW 05/2022). Oder mit Nina Stemme, deren Brünnhilde ihre Sieglinde in Wagners «Walküre» davon abhielt, Selbstmord zu begehen.
Dass sie ihren Beruf zuerst vom ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
Fast einhundert Jahre alt ist Zofia Posmysz inzwischen, die 1942 nach Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde. Anneliese Franz, eine ihrer Wärterinnen, starb dagegen bereits 1956, noch bevor ihr der Prozess gemacht werden konnte. Posmysz konnte das nicht wissen, als sie ihre Erlebnisse 1962 in einer Erzählung verarbeitete. Und doch gehört es zu den...
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die...
Wagners «Tristan und Isolde» sagt man eine weitestgehende Handlungslosigkeit nach. Alles Äußere sei in diesem Werk nach Innen gekehrt: innere Vorgänge, Liebesschmerz, Liebestrunkenheit, Gekränktheit. Alles nur im Kopf. Und im Herzen.
Das Regie-Duo Alexandra Szemerédy, und Magdolna Parditka hat in seiner Lesweise jetzt in Saarbrücken einmal alles auf den Kopf...
