Weiter, immer weiter
Das Statement ist klar und kommt ohne Umschweife: «Was mich an der Arbeit auf der Bühne interessiert: Ich will selbst glauben an die Beziehungen der Figuren untereinander», sagt Cornelia Beskow gleich zu Beginn des Gesprächs. Und die gemeinsame Suche aller nach diesem Beziehungsgeflecht ist ihr wichtig: «Wenn meine Kollegen diese Mission teilen, können wir zusammen eine gute und glaubhafte Geschichte erzählen – und nur darum geht es letztlich.
»
Wie also schafft es Jenůfa, ihrer Pflegemutter den Mord an ihrem Baby und ihrem späteren Bräutigam Laca die Verunstaltung ihres Gesichtes zu verzeihen? Warum bleibt Senta dem ersehnten Holländer gegenüber so misstrauisch? Welche Dynamik entwickelt sich zwischen Tatjana und Onegin? Warum bloß will Donna Elvira ihren Don Giovanni nicht loslassen? Erst, wenn während der Probenarbeit auf derlei Fragen eine authentische Antwort gefunden ist, fühlt sie sich sicher, eine überzeugende Vorstellung geben zu können. So wie mit Julia Bullock zum Beispiel als Küsterin in der Osloer «Jenůfa» (OW 05/2022). Oder mit Nina Stemme, deren Brünnhilde ihre Sieglinde in Wagners «Walküre» davon abhielt, Selbstmord zu begehen.
Dass sie ihren Beruf zuerst vom ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
Der Dichter spricht. Und mahnt: «Herr: Es ist Zeit.» Angesichts der gegenwärtig so unbarmherzigen Geschehnisse kommen dem Nachdenklichen Rilkes bekannte Zeilen in den Sinn. Wobei man sich auch fragen mag, ob die dominierende materialistische Ausrichtung unseres Lebens und Denkens nicht für die Krisen (Klima, Krankheit, Krieg) zumindest mitverantwortlich ist. Auf...
Die Händel-Festspiele in Halle fanden dieses Jahr zum 100. Mal statt. Man begeht die Feier traditionell mit Ausstellungen, Konzerten, einer Konferenz mit diversen Händel-Spezialisten – und natürlich mit Opernaufführungen in der Oper Halle sowie im idyllischen Goethe-Theater Bad Lauchstädt, das noch der Dichterfürst höchstpersönlich nach seinen Vorstellungen und...
Der Bischof und später kurzzeitig amtierende Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878–1946) ist fast so etwas wie ein Münsteraner Heiliger. Ein Held – und doch ein eigentlich dem Nationalismus äußerst zugetaner Verdränger. Seliggesprochen wurde er 2005 «trotzdem». Im Nationalsozialismus war Galen großem politischen Druck ausgesetzt. In drei großen Predigten...
