Überambitioniert
Im Beethoven-Jahr 2020 hatte René Jacobs mit seiner CD-Neuaufnahme die erste der drei überlieferten Fassungen des «Fidelio», die «Ur-Leonore» von 1805, zur einzig gültigen Version erklärt. Von der Attraktivität des «Ursprungs» offensichtlich verführt, präsentiert er jetzt eine, so der Werbe-Slogan, «noch nie gehörte Deutung» des «Freischütz», die in Teilen allerdings gar nicht von Weber, sondern von Jacobs selbst stammt.
Weber hatte drei Nummern aus Kinds Libretto nicht vertont – Kunos Lied, die Erklärung, wie es zum Brauch des Probeschusses kam, sowie die Eröffnungsszene, in der Agathe den Eremiten besucht. Dieser ahnt die Gefahr, der Max ausgesetzt ist, und gibt Agathe zum Abschied einen Strauß geweihter Rosen mit. Eben diese Blumen sind es, die am Ende den fehlgeleiteten Schuss auf Kaspar statt auf Agathe lenken.
In der Überzeugung, dass die Handlung ohne diesen Prolog nicht zu verstehen sei, betätigt Jacobs sich, unter Verwendung Weber’scher Motive, selbst als Komponist. Sehr überzeugend wirkt das Ergebnis nicht. Erst recht deplatziert klingt Kunos Arie, die Jacobs, leicht umgeschrieben, aus Schuberts Singspiel «Des Teufels Lustschloss» übernimmt. Bei so viel Suche nach dem ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44 theaterkasse@mail.aachen.de www.theateraachen.de
- Sondheim, Sweeney Tod: 2.
- Britten, A Midsummer Night’s Dream: 3.
Altenburg siehe Gera
Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater
Tel. 03733/140 71 31 ...
Fast einhundert Jahre alt ist Zofia Posmysz inzwischen, die 1942 nach Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde. Anneliese Franz, eine ihrer Wärterinnen, starb dagegen bereits 1956, noch bevor ihr der Prozess gemacht werden konnte. Posmysz konnte das nicht wissen, als sie ihre Erlebnisse 1962 in einer Erzählung verarbeitete. Und doch gehört es zu den...
Überall, jederzeit». So lapidar die Regieanweisung des Komponisten, so fundamental das im Stück verhandelte Sujet: Der Conditio humana, den Bedingungen und Umständen menschlichen Daseins gilt es nachzuspüren. Dazu schwebt die Tochter des hinduistischen Gottes Indra hinab auf die Erde. Der Menschen Schicksal zu erkunden, deren Leiden und Klagen zu durchleben und –...
