Puccini: La Bohème
Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr Unglück, sie befinden sich unterhalb des Reichtums, aber stehen immer über ihrem Geschick.»
Immer? Nimmt man das Ende von Puccinis Oper zum Maßstab, irrte Balzac wenigstens an dieser Stelle.
Die Musik schluchzt, die Protagonisten schluchzen, Mimi ist tot. Für einen Augenblick bleibt die Zeit stehen. So auch auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus, wo die Menschen um die Gestorbene herumstehen und es einfach nicht fassen können, dass das Schicksal ihren Idealismus übertrumpft hat. Ein letztes Mal hatte kurz zuvor Jens Klaus Wilde als Rodolfo mit tenoral schmachtender Inbrunst die Liebe, ihren Triumph über die Unbill des rein materiellen Seins, besungen, und ein letztes Mal hatte ihm darauf der fragil-metallische Sopran von Gesine Forberger als Mimi geantwortet, vergeblich liebend auch sie. Nun aber ist es vorbei, das ...
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Über dem Mozart-Hype hätte man beinahe den anderen Jubilar vergessen, hundert Jahre jünger als der Jahresregent: Sigmund Freud. Von ihm stammt der Satz «Was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg», was wiederum als Spielstein fugenlos ins Programmpuzzle von «New Crowned Hope» passen würde. Künstler müssen der Welt Zeichen und Bilder des...
Nun, da die Welt vermessen ist – und sei es nur durch die Literatur in Gestalt von Daniel Kehlmanns virtuosem Roman über Gauß und Humboldt – nun kann man daran gehen, das Unendliche zu vermessen. So jedenfalls muss das der Komponist Ingomar Grünauer im Sinn gehabt haben, als er anhub, eine Oper über den Mathematiker Georg Cantor zu verfassen. Wer, bitte schön,...
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