Problemkind
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad gelegt. Ein Traum? Ein Unfall? Merlin steigt aus und stellt das Warndreieck vor das Schwert.
Roland Schwab inszeniert Isaac Albéniz’ «Merlin» (1901) im Gelsenkirchner Musiktheater im Revier als Road Movie und schickt seinen Titelhelden auf Zeitreise. Bjørn Waag sieht nicht aus wie ein Königsmacher, eher wie ein zerknautschter Peter Falk auf der Suche nach sich selbst. Erst schmeißt er seine zeternde Freundin Nivian aus dem Wagen und entsorgt sie mit verklebtem Mund im Kofferraum. Dann fährt aus der Versenkung zwischen zwei Hügelkuppen plötzlich keltisch kostümiertes Volk herauf. Artus und Kay erscheinen in Biker-Kluft, Morgan und Mordred, die Versucher böser Fleischeslust, in präraffaelitisch rotem Sündenhaar (Kostüme: Renée Listerdal). David Lynch und «Mad Max», irische Kruzifixe und Dante Gabriel Rossetti, eine gotische ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Boris Kehrmann
Mit Gender-Crossing und Wikingermythos eine schwedische Nationaloper im Stil Wagners schaffen. Kein geringeres Ziel hatte sich der Schwede Wilhelm Stenhammar gesetzt, als er 1898 mit «Tirfing» sein zweites Werk für die Bühne komponierte. Doch der 27-Jährige hatte sich verschätzt: Die Oper fiel durch. Gerade 17-mal wurde «Tirfing» bis 1901 gegeben, um danach in der...
Unter den zahlreichen prominenten Countertenören unserer Zeit spielt Max Emanuel Cencic die Rolle eines Paradiesvogels, der durch sein Interesse an ungewöhnlichen Repertoires ebenso auf sich aufmerksam macht wie durch die Metamorphosen seines äußeren Erscheinungsbilds. Gesanglich gehört er seit vielen Jahren zu den herausragenden Vertretern seines Stimmfachs, und...
Wie im richtigen Leben, so gibt es auch im Opernleben, gottlob, nicht nur böse Überraschungen. So hätte ich nie erwartet, dass ausgerechnet dem Opernberserker Calixto Bieito, den Uwe Schweikert in seinem Essay für das aktuelle «Opernwelt»-Jahrbuch mit gutem Grund ins Visier genommen hat, die dichteste und spannungsreichste Inszenierung der «Carmen» gelingen würde,...
