Oper für Musiker
Der erste Gedanke, wenn man diese Oper hört: Enescu kann alles! Aber er kann es nicht nur aus traumwandlerisch sicherer Beherrschung des Metiers, sondern aus tiefer Einsicht in die musikalische Praxis. Enescu war, wie historische Aufnahmen belegen, ein begnadeter Geiger, ließ im Trio mit Alfredo Casella und Louis Fournier oder in seinem Streichquartett die Kammermusik atmen, stand als Dirigent vor den Berliner und New Yorker Philharmonikern (die er 1936 beinahe von Toscanini als Chefdirigent übernommen hätte).
All diese Erfahrungen aus der Praxis flossen in seine einzige Oper «Œdipe», eine Variante des Ödipus-Mythos, ein. Sie beschäftigt ein großes Orchester – inklusive einer Singenden Säge für das Porträt der thebanischen Sphinx als zugleich geisterhaftes und halbseidenes Wesen (damals war Marlene Dietrich als Virtuosin auf der Säge berühmt). Aber diese Partitur ist, wenn der Dirigent und die Hausakustik das unterstützen, perfekt austariert zwischen pathetischer Klangentladung – schließlich spielt man griechische Tragödie! – und kammermusikalischer Intimität. Enescus musikalische Fantasie, mit der er diese Ebenen zum großen vieraktigen Drama schichtet, ist enorm. Raffiniert ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Struck-Schloen
52. Jahrgang Nr. 12
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752235
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.kultiversum.de/Opernwelt
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.11.2011
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Die größte Ehre kommt noch. Wie am Rande der Verleihung des Birgit-Nilsson-Preises in Stockholm bekannt wurde, wird die schwedische Sopranistin auf dem neuen 500-Kronen-Geldschein ihres Heimatlandes verewigt, demnächst. Damit dürfte sie die Sängerin mit der größten Häufigkeit im Portemonnaie ihrer Landsleute sein. Sie hätte gelacht darüber. Und Grund gehabt.
Denn...
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
