Proben ist eine Kunst für sich
Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970 mit dem Südfunk-Sinfonieorchester die Ouvertüre zur «Fledermaus» probierte (TDK). Aber das Orchester hatte es auch nicht leicht mit ihm.
Die knappe Probenstunde, die die Kameras damals eingefangen haben, zeigt dann, wie beide aneinander wachsen. Natürlich spielen die Stuttgarter Radio-Musiker nie so, wie später das Bayerische Staatsorchester mit Kleiber im Strauß-Rausch delirierte. Aber sie lernen doch, dass ihr 40-jähriger Maestro etwas kann. Und der lernt, die Kluft zwischen seinem inneren Ohr und dem real existierenden Klang zu verbalisieren. Am Anfang klingt es noch etwas peinlich, wenn er anfeuert: «Ich möchte das genießen. Dazu ist man ja da.» Und er muss ein «Sie auch!» einschieben, um die Situation zu entschärfen. Doch allmählich fängt die Musik an, Musik zu werden, und das trockene Studio weitet sich zum ...
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Eine Gruppe Touristen huscht an den Männern in grellem Orange vorbei. Von wegen Sonntagsspaziergang, hier wird gearbeitet! Kräne zerlegen die Standbilder vergangener Epochen, was früher war, interessiert heute keinen mehr, weg damit, nur das Neue zählt. So läuft das in Putins Russland. Sagt Regisseur Vilppu Kiljunen. Die Neureichen wickeln ihre Immobiliengeschäfte...
Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein...
Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft,...
