Gefährliche Liebschaften
Dass Benjamin Britten und zahlreiche andere Komponisten des 20. Jahrhunderts um die Schönberg’sche Dodekaphonie und deren Folgen einen Bogen schlugen, war nicht nur das Resultat eines ästhetisch begründeten Unbehagens. Die Reserve gegenüber den Konstruktionen der Zwölfton-Avantgarde hatte auch handfeste rezeptionspolitische Gründe: Man wollte, statt bloß im Kreise eingeweihter Spezialisten zu glänzen, lieber das breite Publikum erreichen.
Zum Typus des pragmatischen Tonsetzers, der sich weniger als Missionar einer bestimmten stilistischen Wahrheit denn als Dienstleister für den Konzert- und Theaterbetrieb versteht, zählt zweifellos auch der 1963 geborene Wahlberliner Christian Jost. Bislang tat sich Jost vor allem mit Kammermusik, Solokonzerten und Symphonien hervor. Nun legte er seine erste abendfüllende Arbeit für die Bühne vor – im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein und unterstützt vom Kultursekretariat des Landes Nordrhein Westfalen.
«Vipern. Eine mörderische Begierde in vier Akten» haben der Komponist und sein Librettist Tim Coleman das knapp zweistündige Opus genannt – eine schwül-groteske Kriminalgeschichte, die auf ein Drama der beiden Shakespeare-Zeitgenossen Thomas ...
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Ein gutes Jahr noch, dann gehen die alten Lotsen von Bord. Zum Ende der Spielzeit 2005/06 werden Sir Peter Jonas und Zubin Mehta Münchens Musiktheater-Flaggschiff an Christoph Albrecht und Kent Nagano übergeben. Was den designierten Generalmusikdirektor betrifft, scheint die Vorfreude schon jetzt hohe Wellen zu schlagen. Zwar war Bayerns Kapitale zu Naganos...
Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tschekalinski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...
Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper...
