Hommage an eine gefährdete Kunst
Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünfundfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt einer Sensation gleich (siehe OW 11/1999). Schon die achtzehnstündige Spieldauer dieser Liebestraumgeschichte aus der späten Ming-Dynastie ließ das Publikum staunen.
Ein Opus in «Ring»-Dimensionen, lange vor Wagner komponiert und obendrein aus Fernost? Das war neu. So neu und so fremd wie die Form eines Musiktheaters, dessen Typen, Symbole, Vokalstile und Dramaturgie dem an der europäischen Tradition geschulten Auge und Ohr keinerlei Anknüpfungspunkte zu bieten schienen.
Wie ein Fremdkörper wird die klassische chinesische Oper heute selbst im Land ihrer Herkunft wahrgenommen – dort allerdings weniger als Faszinosum denn als entbehrliches Relikt einer fernen Vergangenheit. Denn im Zuge des von der kommunistischen Partei forcierten Modernisierungsschubs, der die chinesische Gesellschaft derzeit umwälzt, drohen alle Spuren zu ...
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Herr Domingo, Sie nehmen in diesen Wochen unter der Leitung von Antonio Pappano den kompletten «Tristan» auf – nach über vierzig Bühnenjahren und fast neunzig Opern-Gesamtaufnahmen. Was treibt einen Sänger, der es sich mit Konzerten und Galas viel leichter machen könnte, zur schwierigsten Partie des gesamten Tenorfachs?
Eben die besondere Herausforderung. Und die...
Eigentlich müssten die dunklen, ungreifbaren Ängste der Mélisande und ihres Schwagers Pelléas in Palermo, wo die ungreifbare Mafia herrscht, auf eine gewisse Seelenverwandtschaft treffen: Nichts ist gewiss, aber alle wissen es. Gewiss ist nur, dass der derzeit mächtigste Boss Bernardo Provenzano seit mehr als vierzig (!) Jahren unauffindbar ist, obwohl er in...
Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tschekalinski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...
