Prinzip Hoffnung
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle» intonieren die Rheintöchter die ersten Worte der Tetralogie.
Das junge Paar presst weiterhin die Lippen aufeinander, hat nur Augen für sich, auch dann noch, als mit dem Auftritt Alberichs der unschuldige Urzustand des Menschseins in Gefahr und aus dem Lot gerät.
Doch zunächst zeigt Stephen Langridge uns mit diesem wunderbar einfachen Bild, das die erste vollständige «Ring»-Inszenierung in Göteborgs Opernhaus eröffnet, dass man Archetypen sehr wohl ganz konkret lesen darf. Zwar ist die «Edda» hier im Norden durchaus eine vertraute Geschichte, doch die Menschen der Stadt am Kattegat sind «Ring»-Novizen. Also erzählt der regieführende Intendant (und designierte Direktor des Glyndebourne Festivals) den Plot so deutlich, direkt und anti-illusionistisch, wie Evan Rogister im Graben dirigiert: dezidiert unmystisch, rhetorisch ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Peter Krause
Wie umgehen mit diesem heiklen Dramma serio per musica, das da 1791, in Mozarts Todesjahr, noch rasch als «Krönungsoper» für Leopold II. – ein Auftrag aus Prag – erledigt werden wollte? Pietro Metastasios vielfach erprobtes Sujet war vorgegeben. Der römische Kaiser Titus, beileibe kein mildtätiger Herrscher, lässt nach Liebesintrige und Mordkomplott Gnade vor...
Wie begehrt das Recht der ersten Nacht ist, wissen Opernfreunde nicht nur durch Mozarts «Hochzeit des Figaro». Auch unter Intendanten, Dramaturgen und Werbemenschen ist das Prädikat Ur- oder Erstaufführung sehr gefragt. Ihnen allen kann geholfen werden, nicht nur, aber besonders von Jacques Offenbach. Im Durcheinander seiner Hinterlassenschaft finden sich immer...
Das Bild könnte trostloser kaum sein: eine junge Braut, allein am lieblos gedeckten Tisch, im hochgeschlossenen, schwarzen Kleid, mit bleichen Wangen, den Blick ins Irgendwo gerichtet. Wie eine leere Hülle sitzt da die schöne Jenufa, schutzlos und scheu, aber es scheint, als würde sie von dem, was um sie herum geschieht, gar nichts mehr mitkriegen. Als sei sie...
