Prinzip Hoffnung
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle» intonieren die Rheintöchter die ersten Worte der Tetralogie.
Das junge Paar presst weiterhin die Lippen aufeinander, hat nur Augen für sich, auch dann noch, als mit dem Auftritt Alberichs der unschuldige Urzustand des Menschseins in Gefahr und aus dem Lot gerät.
Doch zunächst zeigt Stephen Langridge uns mit diesem wunderbar einfachen Bild, das die erste vollständige «Ring»-Inszenierung in Göteborgs Opernhaus eröffnet, dass man Archetypen sehr wohl ganz konkret lesen darf. Zwar ist die «Edda» hier im Norden durchaus eine vertraute Geschichte, doch die Menschen der Stadt am Kattegat sind «Ring»-Novizen. Also erzählt der regieführende Intendant (und designierte Direktor des Glyndebourne Festivals) den Plot so deutlich, direkt und anti-illusionistisch, wie Evan Rogister im Graben dirigiert: dezidiert unmystisch, rhetorisch ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Peter Krause
Karl Kraus’ hintersinnige Pointierung des Wortes «Familienbande» trifft auch auf Antonio Vivaldis Oper «La verità in cimento» zu, die jetzt den 13. «Winter in Schwetzingen» eröffnete. Sieben Jahre hatte der Heidelberger Operndirektor Heribert Germeshausen im Rokokotheater in einem spannenden Gang durch die Geschichte die Entwicklung der neapolitanischen Seria...
Eine ähnlich radikale Umdeutung von Mozarts «Idomeneo», wie Peter Konwitschny sie jetzt in Heidelberg herausgebracht hat, war wohl noch nie zu sehen. Wenn am Ende des zweiten Akts das vom Meeressturm entsetzte Volk den Namen des Schuldigen fordert, entert der verzweifelte Titelheld, wie in einem Amoklauf den Gott Neptun verfluchend, das im Hintergrund auf der...
Wie begehrt das Recht der ersten Nacht ist, wissen Opernfreunde nicht nur durch Mozarts «Hochzeit des Figaro». Auch unter Intendanten, Dramaturgen und Werbemenschen ist das Prädikat Ur- oder Erstaufführung sehr gefragt. Ihnen allen kann geholfen werden, nicht nur, aber besonders von Jacques Offenbach. Im Durcheinander seiner Hinterlassenschaft finden sich immer...
