Donizetti: Lucia di Lammermoor
«Fang mich doch» am Staatstheater Mainz. Auf einer Stunde-Null-Bühne (Marc Weeger) spielen drei Kinder. Wer Donizettis «Lucia» oder Walter Scotts «Bride of Lammermoor» nicht kennt, kommt mit einem Blick ins kompakte Programmheft aus: Auf der Bühne wird die Vorgeschichte der «Lucia»-Oper umrissen. Der kleine Enrico Ashton und seine Schwester Lucia spielen mit Edgardo Ravenswood. Sein Vater scheint Lucia zu bedrängen – der folgende Vatermord durch Enrico bereitet die Grundlage für Hass und Wahnsinn, die über der Oper schweben.
Nach diesem gelungenen Kunstgriff erzählt Tatjana Gürbaca die «Lucia»-Geschichte als zeitgemäßen Tanz um das große Geld, dem persönliche Gefühle – in diesem Falle die Liebe Lucias zu Edgardo – völlig untergeordnet werden. Das funktioniert wunderbar. Der schottische Wald erscheint als domestizierter Innenraum, den Lucia erst nach ihrer Wahnsinnsszene begeht. Auch das trägt zu einer ausgesprochen einleuchtenden «Lucia»-Deutung bei. Besonders gelungen: das Spiel mit der gedehnten Zeit. Im Sextett mit Chor «Chi mi frena» bewegen sich alle Bühnenpartner Lucias in Slow Motion – nur sie selbst ist aus ihrer Lähmung gerissen, versucht vergeblich, die anderen zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Köln, 18. Mai 1957. Eröffnungsfestakt am Offenbachplatz für das neue Opernhaus. Otto Ackermann, Kölns damaliger GMD, dirigiert Beethovens dritte Leonoren-Overtüre, bevor – nach einigen Reden – Webers «Oberon» aufgeführt wird, mit der kurzfristig eingesprungenen Leonie Rysanek als Rezia.
Die Jahre des provisorischen Spielorts in der Aula der alten Universität waren...
Zwei Leitern, zwei Stege, zwei Bodengitter, drei Hohlwände und ein paar Klappen – mehr bedarf es nicht, um eine Bühnenschlacht zu evozieren. Und für mehr ist im kleinen Rokoko-Theater des Neuen Palais zu Potsdam Sanssouci ohnehin kein Platz. Der Schicksalskampf zwischen dem mythischen Britenkönig Arthur und dem sächsischen Heidenherrscher Oswald, von dem Arthur...
Eine Mutprobe, elf Jahre lang. Fangen wir mit dem größten, letzten Wagnis an: Luigi Nono am Gärtnerplatz. «Intolleranza» in einem Haus, das einst auch Staatsoperette hieß. Herzenswunsch eines Intendanten, der in der Saison 1996/97 von Aachen über Mannheim an Münchens Gärtnerplatz kam und hier seither die Ansprüche mit jedem neuen Stück hochschraubte. Klaus...
