Horror vacui
Nur in den ersten paar Vorspieltakten hat die gute Seel’ noch Ruh’; danach hebt im Innern der gotischen Ruine lebhaftes Pilger- und Touristentreiben an, und von diesem Punkt an wird Wagners Musikdrama, eigentlich eines der am bedächtigsten atmenden der Bühnengeschichte, konsequent zerzappelt und zerdaddelt. «Sankt Parsifal» soll die zerbröckelnde Abtei laut Programmheft heißen.
Das ist jene Art angesäuerter, sich unter scheinironischen Witzeleien tarnender Halbdistanz, der man im weiteren Verlauf von Floris Vissers Inszenierung noch begegnet, etwa dort, wo Klingsors Blumenmädchen wie in einem schlechten Kostüm-Pornostreifen als Nonnen und Krankenschwestern auftreten. Wenn die züchtige Compagnie dann ihre Kleider ablegen darf, bleibt kreatürlich Erotisches – bei Wagner als dunkler Gegenpol zur lichten Transzendenz immer mitgedacht und mitkomponiert – trotzdem komplett auf der Strecke: Halbheiten und Verkrampfungen allerorten.
So auch in der darauffolgenden Begegnung zwischen dem Titelhelden und Kundry. Da strahlt Michèle Losier (nun ebenfalls im frommen Habit, nachdem sie im ersten Akt als rotgestiefelte, nach Ruhe und Trost suchende Edel-Prostituierte erschienen war) bei diesem ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerald Felber
Leise rieselt der Schwan. Natürlich nicht der ganze, das wäre doch ein bisschen zu viel des Gefieders. Um das mit satten Klängen und bass erstaunten Ausrufen beschworene «Wunder» in ein triftiges Bild zu fassen, genügen einzelne Federn des sagenumwobenen Tiers, die nun von der Decke des Festspielhauses in Baden-Baden sanft in den Saal hinabschweben, derweil der...
Befehle werden singend erteilt, über Politik im Duett verhandelt», spöttelt der «Capriccio»-Graf über die Oper. Wer, so wie er, die Kunstform als «absurdes Ding» abtun will, macht sich nicht zuletzt gern über Sterbearien lustig: Der musikalisch nach Belieben gedehnte, expressiv ausgeschöpfte Moment ist es, der einer rein rationalen, also eingeschränkten Sichtweise...
Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre...
