Die pure Poesie

Francesca Aspromonte und das Arsenale Sonoro mit Arien von Alessandro Scarlatti

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Man hört es und ist sogleich mittendrin in Novalis’ «Hymnen an die Nacht» – auf jenem tiefen, von dunklen Gedanken ummantelten Seelenschmerzfeld, das sich in den Versen ausbreitet, die Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (wie der romantischste aller romantischen Dichter mit bürgerlichem Namen hieß) nach dem viel zu frühen Tod seiner Braut Sophie von Kühn aufs Papier tropfen ließ, wie heiße Tränen, die eine bleiche Wange hinunterkullern.

Und exakt so klingt das Lamento «Vieni o notte in questo petto» aus Alessandro Scarlattis Serenata «Notte ch’in carro d’ombre», wenn Francesca Aspromonte einen Ton nach dem anderen mit silbrig-zarter Stimme in den imaginären Saal haucht, begleitet nur von Rossella Croce und Boris Begelman (Violinen), dem Cellisten Alessandro Palmeri und Federica Bianchi am Cembalo. Es sind diese Minuten, in denen die Welt stillzustehen scheint und nur die Klagelaute durch den Raum fließen, ästhetisch-ätherisch, fast wie von ferne und doch von expressiven Energien durchflutet: pure Poesie.

Vieles auf diesem Album, das den Namen der Arie trägt und ausschließlich Werke aus Scarlattis Schatztruhe versammelt, wirkt so: intensiv leuchtend und zugleich angeweht vom ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Viriginie Germstein

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