Ein Erfolg für die Met
Die Metropolitan Opera feiert mit ihrer neuesten Wagner-Inszenierung einen dringend benötigten Punktsieg beim Publikum – und damit auch einen Erfolg der Finanzen. Lautstarker Jubel vor ausverkauftem Haus. Wie schon bei der vorherigen «Tristan»-Inszenierung – Mariusz Treliński lieferte sie 2016– verbindet Yuval Sharon bei seinem Debüt einige interessante Ideen mit hochmodernen, allerdings außer Kontrolle geratenen Videoprojektionen. Die Darstellungen sind zuweilen eindrucksvoll, sogar schön, verfolgen aber eine seltsam eigene Dramaturgie, die vom Wesentlichen ablenkt.
Die Inszenierungen ähneln sich: Mimische Doppelgänger treten auf, und dann gibt es diese endlosen Aufnahmen von tosenden Wellen, die man in unzähligen Neuproduktionen gesehen hat. Sharon konzentriert sich auf Tristan als Opfer eines Geburtstraumas; das Bühnenbild suggeriert einen Geburtskanal. Obwohl Musik und Text die unerfüllte Leidenschaft der Liebenden verkünden, endet der Abend, indem Isolde ein Kind zur Welt bringt und ihre ikonische Arie nicht an Tristans Leiche singt, sondern für ein unrealistisch stilles Baby. Von Brangäne wurde es gewiegt, von Marke geküsst: billige Hollywood-Sentimentalität.
Die visuellen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von David Shengold
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
Jeder Takt überraschend. Keine Spur von Kitsch.» So urteilte Anton von Webern im Gedankenaustausch mit Arnold Schönberg über «La fanciulla del West». Puccini selbst wollte sich mit dieser Oper tatsächlich neu erfinden. Er war davon überzeugt, dass es eine zweite «Bohème» werden würde, nur «stärker, kühner und umfassender». Die New Yorker Met brachte das Stück 1910...
Der Ritter rast nicht, er schwelgt. In höchsten Tönen und mit tiefster Empfindung besingt Ruggero die Liebe zu seiner Auserwählten, der gleichermaßen aparten wie blaublütigen Bradamante, und um seine werbende Huldigung zu zementieren, hat er sich für sein Solo «Sol per te, mio dolce amore» noch eine transzendierende Traversflöte hinzu erbeten. Zarte Arabesken in...
