Näher geht's nicht
Drei Notenpulte stehen vor dem Eingang in den Zuschauerraum des Allee Theaters. Noch sind die Flügeltüren in den Saal verschlossen. Kaum eingetreten in das Foyer von Hamburgs kleinstem Opernhaus sind wir dennoch gleich mittendrin im munteren Geschehen. Und unversehens spielen wir mit. Es braucht ein paar inspirierende Irritationsmomente, um das Experiment in diesem Pausenraum der Kammeroper zu kapieren: Publikum und Darsteller mischen sich in dieser teuren (Vor-)Halle der Kunst, die für die Premiere von «Hoffmanns Erzählungen» kurzerhand in «Auerbachs Cocktailbar» umgetauft wurde.
Da tritt nun ein junger Mann in Rocker-Kluft, Springerstiefeln und mittelalterlich anmutendem Langhaar an ein Stehpult – und wir schauen ihm dabei direkt über die Schulter. Er zeichnet manisch Bilder seiner verflossenen Lieben auf die Blätter eines Notizblocks und schreibt die Erinnerungen an seine Vergangenheit auf. Dieser Künstlertyp von heute identifiziert seine Flucht vor dem Scheitern seiner Lieben im kollektiven Alkoholrausch der Cocktailbar mit der Biographie des E. T. A. Hoffmann, vergleicht seinen eigenen Schmerz mit den Erzählungen des Dichters. Da taucht eine glamouröse Diva an der Hand eines ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Peter Krause
Zu den Stillen im Lande zählt sie ganz gewiss nicht. Marina Viotti liebt die Selbstinszenierung, den Rollentausch, das Wandelbare. Es genügt, um das zu wissen, ein Blick in ihre wechselvolle Vita. Nach einem Flötenstudium wandte sich Viotti den Gattungen Jazz, Gospel und Heavy Metal zu, absolvierte dann ein Philosophie- und Literaturstudium, bevor sie sich dazu...
Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre...
Ganz schnell kann das gehen mit diesem Begriff. Anständig bis hochachtbar gesungen, ein Sopran, ein Tenor – ecco: Das nächste «Traumpaar» ist geboren. So gerade in den Augen und Ohren mancher nach der «Rigoletto»-Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Dabei haben die beiden wenig miteinander gemeinsam (was ja wieder stückimmanent wäre). Sie: mit anfangs...
