Näher geht's nicht
Drei Notenpulte stehen vor dem Eingang in den Zuschauerraum des Allee Theaters. Noch sind die Flügeltüren in den Saal verschlossen. Kaum eingetreten in das Foyer von Hamburgs kleinstem Opernhaus sind wir dennoch gleich mittendrin im munteren Geschehen. Und unversehens spielen wir mit. Es braucht ein paar inspirierende Irritationsmomente, um das Experiment in diesem Pausenraum der Kammeroper zu kapieren: Publikum und Darsteller mischen sich in dieser teuren (Vor-)Halle der Kunst, die für die Premiere von «Hoffmanns Erzählungen» kurzerhand in «Auerbachs Cocktailbar» umgetauft wurde.
Da tritt nun ein junger Mann in Rocker-Kluft, Springerstiefeln und mittelalterlich anmutendem Langhaar an ein Stehpult – und wir schauen ihm dabei direkt über die Schulter. Er zeichnet manisch Bilder seiner verflossenen Lieben auf die Blätter eines Notizblocks und schreibt die Erinnerungen an seine Vergangenheit auf. Dieser Künstlertyp von heute identifiziert seine Flucht vor dem Scheitern seiner Lieben im kollektiven Alkoholrausch der Cocktailbar mit der Biographie des E. T. A. Hoffmann, vergleicht seinen eigenen Schmerz mit den Erzählungen des Dichters. Da taucht eine glamouröse Diva an der Hand eines ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Peter Krause
Diese Reportage über einen Besuch in Osnabrück muss mit einem flammenden Plädoyer beginnen. Dafür nämlich, dass ein Theater unbedingt ins Zentrum einer Stadt gehört und nirgendwohin sonst. Nicht in eine verkehrsberuhigte Zone, die vor wie nach der Vorstellung ausgestorben ist; nicht in einen verschlafenen Stadtteil jenseits des Zentrums oder in einen relaxten...
Herr Heide, dürfen wir uns das Verhältnis zwischen einer Sängerin oder einem Sänger und einem Pianisten als ein erotisches vorstellen?
Das dürfen Sie, allerdings gefielen mir da auch Beschreibungen wie «innig», «freundschaftlich» oder «symbiotisch». Aber jetzt, wo Sie fragen, kommt mir sofort eine Sentenz von Christa Ludwig in den Sinn, die im hohen Alter...
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle...
