Odyssee im Weltraum

Der Theaterabend «Die große Stille» fragt in Hamburg mit Mozarts Musik nach dem Sinn des postzivilisatorischen Daseins

Opernwelt - Logo

Irgendwo im Weltall, sagen wir, abends um halb acht. Ein Raumschiff trudelt durch die leere Weite (oder weite Leere?), und das Einzige, was die Insassen zu beglücken vermag, ist Musik. Musik von Mozart. Sie ist es, die Trost spendet, die dem Vakuum des Universums und der Seelen noch jene «Fülle» verleiht, von der Charles Taylor in seinem Opus magnum «Ein säkulares Zeitalter» spricht. Der Rest ist, so nicht Schweigen, so doch eine tiefe Verunsicherung bei denjenigen, die der Zivilisation entkommen sind und nun versuchen, ihrem fragwürdigen Dasein in Raum und Zeit etwas abzugewinnen.

Günther Anders, ein kundiger Kollege Taylors, hat dafür in einem seiner musikphilosophischen Essays treffende Worte gefunden: «So wird zum Beispiel im Mitvollzug der Mozart’schen Musik eine Möglichkeit der Gelöstheit entdeckt, oder besser: verwirklicht und in der Verwirklichung entdeckt, die als eigene Möglichkeit sonst dem Menschen unbekannt bleibt.» Diese Gelöstheit, so Anders, sei «insofern Verwandlung der Existenz, als sich in ihr die Freiheit der Bewegung und der Ambitus dieser Freiheit als unmittelbare Bewegtheit ausspielt».

Auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper ist von dieser Freiheit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Zwischen Himmel und Erde

Das war zu erwarten: Trump und Musk als Opernbösewichte, ihre Machenschaften als Parabeln für Machtmissbrauch und Verführung der Massen. Bei Aristophanes heißen sie Peis -thetairos und Euelpides, Braunfels hat sie philologisch korrekt in Ratefreund und Hoffegut umbenannt, aber sonst wenig Ehrfurcht gezeigt, indem er 1920 die zweieinhalb Jahrtausende alte Komödie in...

TV, Streams 5/26

alpha
03.05. – 21.45 Uhr
Händel – An Occasional Oratorio
Howard Arman dirigiert den Chor des Bayerischen Rundfunks und die Akademie für Alte Musik Berlin.

arte
02.05. – 23.35 Uhr
Benjamin: Picture a Day Like This
Der britische Komponist George Benjamin präsentierte 2023 in Aixen-Provence sein neues Bühnenwerk «Picture a Day Like This».

03.05. – 15.35 Uhr
Famous...

Speil, Spaß und das reale Leben

Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)

Kinder denken oft in...