Zeitmaschine
In Gottes Namen? Ständig schleicht einer an diesem Abend chez Gluck im Theater an der Wien über die Bühne, in schwarzem Outfit und Priesterkollar wie ein perfider Militärpfaffe, lauernd, mit bösem Lächeln, eingeschlossen in den Bleirahmen höflicher Gefährlichkeit. Stets trägt er Handschuhe – um keine Spuren zu hinterlassen? Denn es obliegen ihm die notwendigen Handreichungen zu den anbefohlenen Opfermorden, an Iphigenie auf Aulis und an Orest und Pylades auf Tauris.
Er drängt den Exekutoren die Mörderwaffen auf, Messer, Pistolen; in Torsten Fischers Inszenierung der beiden Iphigenien scheint er Vertreter einer fragwürdigen geistlichen Obrigkeit, eines Gottesprinzips, das eifersüchtig und brutal auf Abwicklung des Anbefohlenen besteht.
Dem Theater freilich ist aufgegeben, Gegenentwürfe zu erstellen – und dies tat bereits Gluck selbst in der tauridischen Iphigenie. Denn die Titelheldin (in Wien verkörpert von der grandiosen Véronique Gens, die sich diese Figur über die Jahre perfekt anverwandelt hat), ihr Bruder Orest und dessen Freund Pylades (die ebenso überzeugenden Stéphane Degout und Rainer Trost) ringen sich mit übermenschlicher Anstrengung dazu durch, der göttlichen Willkür ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerhard Persché
Wer Thomas Hampson mag, wird ihn nach der Lektüre dieser Biografie noch sympathischer finden, diesen all-American boy aus Washington State, Jahrgang 1955. Hampsons Vater war Nuklearchemiker, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und der Held seiner Kindheit. Als Schüler lernt er Trompete, Schlagzeug, Tuba, erhält Gesangsunterricht bei einer Nonne, entscheidet...
Er atmet schwer, der alte Mann. Einen weißen Leinenanzug hat er angelegt. Als werde es bald Frühling oder Sommer in seinem leeren Lebensabendbunker. Schlurft hierhin, dorthin, hält inne, horcht und blinzelt, ob sich was regt im Halbdunkel zwischen den anthrazitgrauen Wänden. Aber es bleibt still. Kein Laut, nirgends. Nicht mal der schüttere Herbstlaubregen, der aus...
Meyerbeer e il suo tempo» war ein Programm der Accademia Nazionale di Santa Cecilia überschrieben, das in Zusammenarbeit mit dem Palazzetto Bru Zane entstand. Diana Damrau und Antonio Pappano huldigten im Oktober in Rom dem großen europäischen Komponisten. Zweifellos ein zentraler Beitrag zu dessen 150. Todestag.
Meyerbeer habe sie schon während ihres Studiums...
