Von innen nach außen
Zugegeben: Nach Säen und Ernten in den Randlagen, dort, wo das bunte, wilde Premieren-Repertoire sprießt, sieht das nicht aus. Zwischen «Tristan» und «Vogelhändler» hat Regensburg seinen neuen «Rigoletto» gepackt, die Salzburger Landestheater-Kollegen bringen ihn zwischen «Zauberflöte» und «Weißem Rössl» – was dort das Blockbuster-Sandwich komplett macht. Den Bilanzen mag so etwas geschuldet sein. Oder eben auch der jeweiligen Besetzung des Regiestuhls.
Dass an beiden Häusern zwei Promi-Frauen zur selben Zeit dasselbe Stück erarbeiten, ist mehr als ein schöner Zufall. Verwandtschaften? Parallelen? Da gibt es tatsächlich einige. Vor allem weil beide das Blenden und Thesenbuchschwenken nicht nötig haben. Brigitte Fassbaender in Regensburg, die nicht zuletzt aus eigener Erfahrung weiß, dass eine Rolle von innen nach außen aufgebaut werden muss. Und Amélie Niermeyer, deren subtiles Hinterfragen den Salzburgern schon einen starken «Wozzeck» und eine ebenso eindrückliche «La clemenza di Tito» beschert hat. Ob an der Donau oder an der Salzach: Man wählt also nicht den einfachen, anbiedernden Weg.
Weibliche Wesen der besonderen Art braucht der Herzog an beiden Häusern. Er will die ganz ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Markus Thiel
Mit Holsts «Savitri» begann es, und Holst-Sinfonietta hieß fortan auch das Orchester. Waltons «Bär» folgte, Korngolds «Stumme Serenade», Brittens «Rape of Lucretia» und «Noye’s Fludde», aber immer auch Zeitgenössisches: Rihms «Jakob Lenz», Anno Schreiers «Kein Ort. Nirgends» oder Claude Viviers «Kopernikus». Eines springt allemal ins Auge: Was die Freiburger Young...
Es ist Oktober. Festivalzeit im irischen Küstenörtchen Wexford. In den Pubs plaudern Herren in black tie und Damen in Abendrobe mit Locals in Jogginghosen. Der Wind saugt die letzten Blätter aus dem kleinen Hain, den Opernenthusiasten auf der Ferrybank gepflanzt haben – ein Bäumchen für jedes neue Stück – und weht waagerechte Regenfäden über den River Slaney....
Frisch durchgeschmust sitzt Katerina Ismailowa auf der Bettkannte und singt: «Na warte!». Sie meint damit nicht ihren Liebhaber Sergej und kündigt auch nicht an, dass ab jetzt entschieden zurückgeschmust würde. Nein, sie meint ihren Mann Sinowi, dessen Schritte sie hört und den sie gar nicht mehr gebrauchen kann in ihrem Leben. «Na warte!», heißt so viel wie: «Dich...
