Von innen nach außen
Zugegeben: Nach Säen und Ernten in den Randlagen, dort, wo das bunte, wilde Premieren-Repertoire sprießt, sieht das nicht aus. Zwischen «Tristan» und «Vogelhändler» hat Regensburg seinen neuen «Rigoletto» gepackt, die Salzburger Landestheater-Kollegen bringen ihn zwischen «Zauberflöte» und «Weißem Rössl» – was dort das Blockbuster-Sandwich komplett macht. Den Bilanzen mag so etwas geschuldet sein. Oder eben auch der jeweiligen Besetzung des Regiestuhls.
Dass an beiden Häusern zwei Promi-Frauen zur selben Zeit dasselbe Stück erarbeiten, ist mehr als ein schöner Zufall. Verwandtschaften? Parallelen? Da gibt es tatsächlich einige. Vor allem weil beide das Blenden und Thesenbuchschwenken nicht nötig haben. Brigitte Fassbaender in Regensburg, die nicht zuletzt aus eigener Erfahrung weiß, dass eine Rolle von innen nach außen aufgebaut werden muss. Und Amélie Niermeyer, deren subtiles Hinterfragen den Salzburgern schon einen starken «Wozzeck» und eine ebenso eindrückliche «La clemenza di Tito» beschert hat. Ob an der Donau oder an der Salzach: Man wählt also nicht den einfachen, anbiedernden Weg.
Weibliche Wesen der besonderen Art braucht der Herzog an beiden Häusern. Er will die ganz ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Markus Thiel
Piotr Beczala hatte im vergangenen Jahr ein Operettenalbum vorgelegt, das die Fans des Genres restlos glücklich machte. Die sämige Geschmeidigkeit seines lyrischen Tenors, die leicht slawische Sprachfärbung, die k.u.k-Nostalgie beschwört, der spürbare Spaß am Kitsch. Der Pole kommt den großen Vorbildern aus der Schellack-Ära sehr nahe, vor allem Richard Tauber....
Island ist, geologisch betrachtet, ein Küken auf unserem Planeten. Auch als Republik hat es eine junge (bis 1944 zurückreichende) Geschichte. Die Entwicklung der letzten Jahre stellt trotzdem alles an Tempo in den Schatten. Manche Einwohner des kleinen Landes haben das Gefühl, überrollt zu sein von den Ereignissen. Da ist natürlich die Finanzkrise von 2008, deren...
Den jungen Cembalisten aus Buffalo traf es wie ein Donnerschlag, als ein Freund ihm 1966 eine Aufnahme von Rameaus «Hippolyte et Aricie» vorspielte. Mit dem English Chamber Orchestra unter Anthony Lewis, Janet Baker sang Phèdre. Für William Christie war das eine Art Erweckungserlebnis oder wenigstens ein Wegweiser. Wenige Jahre später (es sah so aus, als könnte er...
