Poesie, mon amour!

Stefano Podas «Rusalka»-Inszenierung in Toulouse ist voller Magie und Zauber, Frank Beermanns Dirigat verklammert plausibel 19. und 20. Jahrhundert

Opernwelt - Logo

Sind das Wasserleichen, die da in diesem riesigen, hellen und mit kühlem Nass befüllten Kubus liegen? Langsam beginnen diese Wesen, sich – choreografisch wohlsortiert kreisend – in ihrem Element zu wälzen, breiten die Arme aus und lassen sie auf die Oberfläche platschen. Später bilden sie allerhand Knäuel und Klumpen, ihre Körper scheinen miteinander zu verschmelzen.

Jedenfalls sind dies keine Individuen, denn sie treten im Kollektiv auf; gerade so wie kleine Fische, die im klaren Meer am liebsten im Schwarm schwimmen, vermitteln sie eine unbändige Daseinsfreude, verspielt dem bloßen, nicht reflektierten Sein huldigend. Drei dieser Nixen singen sogar, ganz liedhaft volkstümlich, und neckisch spritzen sie sich gegenseitig an. 

Nein, dies sind gar keine Leichen, sondern quicklebendige Wasserwesen, die im Toulouser Théâtre du Capitole von einer Tanztruppe dargestellt und zur zentralen szenischen Zutat werden, die Stefano Poda sich für Antonín Dvořáks «Rusalka» hat einfallen lassen. Der Italiener nimmt das naturhafte Ambiente der Märchenoper beim Wort, versetzt sie somit tatsächlich ins Wasser, was bekanntlich keiner geringen Herausforderung gleicht, sind Opernhäuser doch nun einmal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Zeitgenosse der Zukunft

Wenn die angelsächsische Hausfrau zum Staubsaugen schreitet, verkündet sie, sie müsse jetzt «hoovern». Was nicht unbedingt mit einem Gerät aus dem Hause Hoover zu geschehen hat. Gewisse Markennamen sind zum Synonym für einen ganzen Tätigkeitsbereich geworden, auch in der Kunst. So steht etwa der Name «Picasso» im Volksmund ganz allgemein für «abstrakte Malerei»....

Editorial 12/22

Nun also auch Basel. Mehr als 40 trübe Jahre lang hat man Wagners «Ring» in der schmucken Universitätsstadt nicht mehr gesehen. Und weil Benedikt von Peter, Intendant des dortigen Theaters, das Großformatig-Diskursive liebt, begnügt er sich nicht einfach mit einer Neuinszenierung der Tetralogie, sondern stockt die ambitionierte Unternehmung gleich zu einem...

Fremde in der Nacht

Die schönsten Illusionen? Bietet das Kino. Im Kino darf man träumen, bedingungslos, ohne Wenn und Aber, nur dort flimmern die verrücktesten Träume über die Leinwand und direkt ins Herz hinein. Auch für die kleine Senta ist es ein Sehnsuchtsort, in den sie, begleitet vom Vater und der strengen Aufpasserin Mary, eintaucht wie in eine längst verblichene Welt; eine...