Ohne Bezug zur Gegenwart
Der Titel der großen Schau führt in die Irre. Denn hier wird weder nachgewiesen, dass die Oper tot ist, noch wird gezeigt, in welchen Spielarten sie heute höchst lebendig ist. Aber natürlich macht der leicht provokante Titel neugierig, und das ist schon ein Gewinn. Dass Oper gestrig sei, ist eines der hartnäckigen Klischees, mit denen sich die Gattung herumschlagen muss. Dabei besitzt Deutschland mit über 80 Opernhäusern die höchste Dichte weltweit und bietet damit weit mehr Menschen ein Liveerlebnis als etwa Italien, das Mutterland der Oper.
Niemand zwingt die Leute in all die vielen Häuser. Denn die heutige Oper ist den meisten ihrer Klischees längst entwachsen. Die Bonner Kuratoren Katharina Chrubasik und Alexander Meier-Dörzenbach haben sich dennoch dafür entschieden, die letzten 100 Jahre der Entwicklung und damit auch die Gegenwart komplett auszublenden – was auch deshalb verwundert, weil vor Ort ein ambitioniertes Opernhaus steht. Der Blick zurück ohne Bezug zur Gegenwart ist also Programm dieser opulent gemachten Schau, die sich in mitunter willkürlich scheinenden Sprüngen bewegt und mittels Audio-Guide viele akustische und filmische Leckerbissen bietet.
Die einzelnen ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Regine Müller
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann....
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...
Einen einzigen Kuss nur, «un sol bacio», wollen die Kerle erhaschen. Und das geht, weil das Entsetzen darüber explodiert, bei Mozart alles andere als gemächlich ab. Hier, im ersten Finale, rast das Bühnenpersonal musikalisch sogar davon – und lässt Vladimir Jurowski mit dem Bayerischen Staatsorchester hinter sich zurück. Kann bei einer Premiere schon mal passieren....
